Kalender und Datierung
Wer mit alten Urkunden und Kirchenbüchern arbeitet, hat es nicht mit einem einzigen Kalender zu tun. Je nach Zeit, Ort und Konfession gilt ein anderer, und dasselbe Ereignis kann in zwei Quellen unter verschiedenen Daten stehen. Hier ist zusammengefasst, was man dazu wissen muss.
Julianischer Kalender
Julius Caesar führte 46 v. Chr. einen Kalender ein, dessen Jahr 365,25 Tage lang war. Das Sonnenjahr ist aber rund elf Minuten kürzer, und so verschiebt sich der Julianische Kalender alle 128 Jahre um einen Tag gegenüber den Jahreszeiten. 1582 fiel der Frühlingsanfang bereits auf den 11. März, die Osterrechnung ging aber immer noch vom 21. März aus.
Papst Gregor XIII. ließ deshalb 1582 zehn Tage ausfallen: Auf Donnerstag, den 4. Oktober, folgte Freitag, der 15. Oktober. Außerdem sind Jahrhundertjahre seitdem nur noch Schaltjahre, wenn sie durch 400 teilbar sind. 1600 und 2000 waren also Schaltjahre, 1700, 1800 und 1900 nicht. Der Abstand zwischen beiden Kalendern wächst dadurch jeweils Ende Februar dieser Jahre: zehn Tage bis 1700, ab März 1700 elf, ab März 1800 zwölf und ab März 1900 dreizehn Tage.
Ab wann der neue Kalender galt, entschied der jeweilige Landesherr. Katholische Länder und Territorien stellten meist zwischen 1582 und 1584 um. Italien, Spanien und Portugal machten den Anfang im Oktober 1582, Frankreich folgte im Dezember 1582, die katholischen Gebiete im Reich überwiegend 1583 und 1584. In den evangelischen Gebieten im Reich dauerte es bis 1700, auf den 18. Februar folgte dabei der 1. März. Ihr sogenannter Verbesserter Kalender stimmte mit dem gregorianischen überein, nur Ostern wurde bis 1775 astronomisch berechnet. 1724 und 1744 feierten die Protestanten Ostern deshalb eine Woche früher als die Katholiken. Ab 1776 galt auch bei ihnen die gregorianische Osterrechnung. Andere Länder folgten noch später, Großbritannien etwa 1752, Russland und der Balkan schließlich im 20. Jahrhundert.
Welcher Kalendar Anwendung findet, hängt davon ab, wer die Quelle geführt hat. Ein katholisches Kirchenbuch ist meist ab 1583 oder 1585 gregorianisch datiert, ein evangelisches aus derselben Gegend noch bis zum Jahr 1700 julianisch. In gemischtkonfessionellen Gegenden können zwei Kirchenbücher desselben Ortes also für denselben Tag verschiedene Daten tragen. Unsere Rechner zeigen für die Übergangszeit deshalb beide Daten an. Eine umfassende Liste der Umstellungsdaten findet sich auf der von Reiner Makohl betriebenen Seite stilkunst.de.
Französischer Revolutionskalender
Die Französische Revolution wollte nicht nur Staat und Gesellschaft neu ordnen, sondern auch die Zeit. 1793 führte sie einen, auch als Republikanischer Kalender bekannten, eigenen Kalender ein und ließ ihn rückwirkend mit dem ersten Tag der Republik beginnen, dem 22. September 1792. Er galt in Frankreich und in den Gebieten unter französischer Herrschaft bis Ende 1805. Das Jahr begann im Herbst, und jeder der zwölf Monate hatte 30 Tage, eingeteilt in drei Dekaden zu zehn Tagen statt in Wochen. Am Jahresende folgten auf die zwölf Monate fünf Zusatztage, in den Schaltjahren III, VII und XI sechs, genannt Sansculottides oder jours complémentaires.
Jüdischer Kalender
Der jüdische Kalender in seiner heutigen Form geht der Überlieferung nach auf den Patriarchen Hillel II. im 4. Jahrhundert zurück. Er richtet sich nach Mond und Sonne zugleich. Die Monate folgen dem Mond. Damit das Jahr trotzdem mit den Jahreszeiten Schritt hält, wird in 19 Jahren sieben Mal ein Schaltmonat eingefügt, der Adar II. Ein Jahr hat also 12 oder 13 Monate. Es beginnt im Herbst mit Rosch Haschana, dem 1. Tischri.
Beim Umrechnen ist eines wichtig: Der jüdische Tag beginnt am Vorabend mit dem Sonnenuntergang. Ein Kind, das abends geboren wurde, kann deshalb schon unter dem folgenden Datum eingetragen sein. Der Kalender ist bis heute in Gebrauch und in Israel neben dem gregorianischen offizieller Kalender.
Kirchenkalender
In alten Kirchenbüchern stehen oft Angaben wie „getauft am Sonntag Quasimodogeniti“ oder „begraben auf Michaelis“. Datiert wurde nach dem Kirchenjahr, also nach Festen und Sonntagen, die damals jeder kannte. Viele davon hängen von Ostern ab und fallen jedes Jahr auf einen anderen Tag. Der Kirchenkalender macht aus solchen Angaben ein Kalenderdatum.
Geburtsdatum-Rechner
Kein Kalender im eigentlichen Sinne, aber dennoch ein sehr nützlicher Helfer ist der Geburtsdatum-Rechner. In Sterbe- oder Heiratseinträgen, in Einwohnerlisten und anderen Quellen steht oft kein Geburtsdatum, sondern nur das Alter, etwa „63 Jahre, 4 Monate und 12 Tage“. Der Rechner zieht dieses Alter vom Datum des Eintrags ab und liefert so das Geburtsdatum.
Rechner
- Julianisch/Gregorianisch – ein Datum zwischen beiden Kalendern umrechnen.
- Französischer Revolutionskalender – Daten der Jahre 1792 bis 1805 umrechnen.
- Jüdischer Kalender – jüdische Daten umrechnen.
- Kirchenkalender – Festtage und Sonntage des Kirchenjahres in ein Datum umrechnen.
- Geburtsdatum-Rechner – aus Eintragsdatum und Altersangabe das Geburtsdatum ermitteln.
Literatur und Links
- Die Einführung des Gregorianischen Kalenders – Reiner Makohls ausführliche Darstellung der Kalenderreform, mit Umstellungsdaten für viele Territorien.
- Das evangelische Osterdatum in den Jahren 1724 und 1744 – ebenfalls von Reiner Makohl.
- Zeitrechnung des Deutschen Mittelalters und der Neuzeit – Hermann Grotefends Standardwerk von 1891 zur historischen Datierung.
- Der Französische Revolutionskalender in der Wikipedia
- Der Jüdische Kalender in der Wikipedia