Rückblick

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Kreis-Ständehaus 1897

40 Jahre

"Vereinigung für die Heimatkunde
im Landkreis Saarlouis e.V."
( 1958 - 1998 )


und


30 Jahre
Arbeitsgruppe Familienforschung
( 1968 - 1998 )

 

 

 

Einleitung - Quellenlage für diesen Bericht

 

Der nachfolgende Bericht beruht im wesentlichen auf die im Kreisarchiv Saarlouis aufbewahrten Vereinsakten, die aus dem Aktenbestand des Amtes für Schulen, Kultur und Sport (Aktenzeichen. K X 331/06) ab dem Jahre 1958 erwachsen sind, angereichert mit Akten der Vereinigung für die Jahre von 1986 bis 1998 und Zeitungsausschnitten aus der im Kreisarchiv Saarlouis aufbewahrten Zeitungsausschnitts-Sammlung, die von dem ehemaligen Leiter des Amtes für Finanzen und Liegenschaften des Landkreises Saarlouis, Kreisoberamtmann Hermann Gräff (1899-1985) nach seiner Pensionierung ab dem Jahre 1964 angelegt worden ist. Hermann Gräff war ein an der Heimat- und Familienforschung des Landkreises sehr interessierter Mann, der mit dem Autor oft in Gedankenaustausch stand. Er hat die im Kreisarchiv in hohen Stapeln lagernden alten Zeitungen, darunter Ausgaben der "Saarbrücker Zeitung", der "Saar- Zeitung" und der "Saarländischen Volkszeitung" zuerst durchgelesen, dann die betreffenden Artikel ausgeschnitten und anschließend auf die Rückseite nicht mehr gebrauchter amtliche Vordrucke aufgeklebt. Die Zeitungen stammten vom Landrat, der sie nach der Lektüre an das Kreisarchiv abgab. So entstand im Laufe der Zeit eine Sammlung von rund 40 Aktenordnen, die nach Orten und nach Personen alphabetisch geordnet ist. Viele Jahre später wurde von der Verwaltung im Wege einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für diesen Bestand ein Stichwortverzeichnis in Form einer Kartei angelegt.

 

 Der Aktenbestand der Vereinigung ist in unseren Tagen weiter angereichert worden mit dem privaten Aktenbestand von Gernot Karge für den Zeitraum von 1966 bis 1997, die aus seiner Tätigkeit als Mitglied, als Arbeitsgruppenleiter, als Mitglied der Satzungskommission, als Schatzmeister, als Mitglied des Redaktionsausschusses und als Geschäftsführer stammen. Dieser chronologisch neugeordnete Gesamtbestand von 8 Ordnern Vereinsakten wurde wieder in das Kreisarchiv Saarlouis eingestellt 1).

Der Aktenbestand von 1924 bis 1976 ist nicht vollständig belegt. Es kann daher sein, daß Personen, die Mitglieder der beiden Arbeitsgemeinschaften vor und nach dem Zweiten Weltkrieg waren, und sich um die Vereinsarbeit verdient gemacht haben, nachfolgend nicht genannt werden, da entsprechende Hinweise fehlen. Der Autor dieser Zeilen kann erst seit 1966, als er in der Arbeitsgemeinschaft zuerst gelegentlich, seit 1967 aber ständig mitarbeitete, aus eigenem Erleben und aufgrund seiner schriftlichen Unterlagen und Tagebücher berichten.

 

Vorgeschichte (1924-1950)

Es war am 16. Mai 1958, als im Sitzungssaal des Landratsamtes Saarlouis auf Vorschlag von Dr. Andreas Mailänder aus Saarlouis von Landrat Erasmus Schmidt (1956-1960) die "Arbeitsgemeinschaft für die Heimatkunde des Kreises Saarlouis" gegründet wurde. Landrat Schmidt, der erste Landrat nach der Rückgliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland und der erste Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, war ein Förderer der kulturellen Belange. Er hat sich besondere Verdienste sowohl um die Gründung der Arbeitsgemeinschaft als auch um die Herausgabe des ersten "Heimatkundlichen Jahrbuches des Landkreises Saarlouis 1960" erworben. Er gründete unter anderem das Kreisvolksbildungswerk (heute Kreisvolkshochschule) und mit einer namhaften Spende der Kreissparkasse Saarlouis das "Berufsförderungswerk des Landkreises Saarlouis "zugunsten förderungswürdiger aber minderbemittelter Studenten und Studentinnen aus dem Kreisgebiet. <br>

 

Seine Aufgeschlossenheit gegenüber der Arbeit der  Heimatforscher (innen) und sein Einsatz beim organisatorischen Aufbau der Arbeitsgemeinschaft haben es ermöglicht, daß nach seinem plötzlichen Tod der Verein sich stetig weiterentwickeln konnte. Landrat Erasmus Schmidt starb am 12. April 1960 im Alter von 46 Jahren an einem Herzinfarkt. Auch seine Nachfolger im Amt des Landrats und des Ersten Vorsitzenden, August Riotte (1960-1985) und Dr. Peter Winter (seit 1985), haben den Verein nachhaltig mitgeprägt.

 

Schon lange vor diesem 16. Mai 1958 gab es im Landkreis Saarlouis wie auch im übrigen Saarland Bestrebungen von Heimatkundlern, Heimatvereine zu gründen. Aus den vorbildlich geführten Vereinsunterlagen der drei Geschäftsführer der Vereinigung, Klaus Mangeot, Alfred Schwind und Gernot Karge, erfahren wir, daß am 5. November 1924 der Postinspektor Peter Meyer mehrere Herren in das Katholische Vereinshaus einlud, um über die mögliche Gründung eines Heimatvereins die Meinungen auszutauschen. Alle stimmten dem Vorschlag bei und es wurde beschlossen, in einer größeren Versammlung die Angelegenheit eingehend zu beraten. Diese Zusammenkunft fand am Buß- und Bettag im Lesezimmer der Stadtbibliothek Saarlouis statt, in der Dr. Andreas Mailänder (1888-1981) mit der vorläufigen Leitung des Vereins beauftragt wurde.

 

Das heutige Saarland hieß damals "Saargebiet". Es wurde am 10. Januar 1920 nach den Friedensverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich und dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages durch Abtrennung von der preußischen Rheinprovinz bzw. der bayerischen Rheinpfalz abgetrennt und ihm ein besonderer Status gegeben. Für die Dauer von 15 Jahren wurde es einer vom Völkerbund eingesetzten und ihm allein verantwortlichen Regierungskommission, die aus einem Franzosen, einem Saarländer und drei Neutralen bestand, unterstellt. Die am 26. Februar 1920 eingesetzte Regierungskommission löste die französische Militärverwaltung ab, die französischen Besatzungstruppen blieben aber im Lande. Das neue Gebilde erhielt die offizielle Bezeichnung "Saargebiet". Nach Ablauf der 15 Jahre sollte sich die Bevölkerung in einer Volksabstimmung für die Rückkehr zum Deutschen Reich, die Angliederung an Frankreich oder die Beibehaltung der Völkerbundsverwaltung (sogen. "status-quo") entscheiden. Eine echte Volksvertretung bestand in der Zeit der Völkerbundsverwaltung nicht. Der 1922 aus direkten, geheimen Wahlen hervorgegangene "Landesrat des Saargebietes" hatte keine legislativen, sondern nur beratende Befugnisse. Stufenweise wurde der französische Franc eingeführt, ab 1. Juni 1923 war er alleiniges Zahlungsmittel.

 

Das waren die politischen Verhältnisse als sich zur Hauptversammlung im vollbesetzten Saal des Gasthauses "Bürgerverein" in der Augustinerstraße/Ecke Petrusstraße am 6. Januar 1925 bereits mehrere Hundert Personen einfanden. Der Kreis Merzig war durch Bürgermeister Scheuren und Schulrat Kell vertreten, die erklärten, für den Kreis Merzig einen besonderen Verein ins Leben rufen zu wollen. Die schon vorher ausgearbeitete Satzung des "Vereins für Heimatkunde für den Kreis Saarlouis" wurde den Anwesenden vorgetragen und einstimmig angenommen. Der § 1 gab dem Verein folgende Richtlinien für seine Tätigkeit: "Der Verein sucht die Vergangenheit des Saarlandes, vor allem des Kreises Saarlouis und der angrenzenden Gebiete, zu durchforschen und sie der Allgemeinheit durch Rede und Druck bekanntzugeben. Er sammelt dahingehörige Schriften, Tagebücher, Karten, Bildwerke, Münzen und kulturhistorische Gegenstände aller Art. "

 

Nach dem Muster des Saarlouiser Vereins wurden dann der Heimatverein des Kreises Merzig gegründet, ferner der Naturschutzverein der Stadt Ottweiler. Auch in Neunkirchen und St. Wendel war man bestrebt, Heimatvereine ins Leben zu rufen. Neben diesen Vereinen gab es noch den schon seit langem bestehenden "Historischen Verein für die Saargegend e. V." unter der Leitung des verdienten Prof. Ruppersberg.

 

Zum Ersten Vorsitzenden des "Vereins für Heimatkunde für den Kreis Saarlouis" wurde der aus Gresaubach bei Lebach stammende 38jährige Studienrat Dr. Andreas Mailänder 1) gewählt, der die Vorstandsgeschäfte schon kommissarisch geführt hatte. Zum Vereinsschriftführer wählte man Wilhelm Rosenkranz. Mailänder war ein Verfechter des deutschen Volkstums an der Saar und ein Gegner der französischen Kulturpolitik im Saargebiet. Er stellte Ende 1923 anläßlich der Saarausstellung in Verbindung mit der Frankfurter-Messe in einem Buch, das in den Schriften des Frankfurter Messeamtes unter dem Titel "Saarlouis" erschien, den deutschen Charakter der Stadt heraus, und war mit an der Herausgabe der Zeitschrift "Unsere Saar - Heimatblätter für die Saarlandschaft" beteiligt. "Unsere Saar" war seit 1932 (7. Jahrgang) amtliches Verbandsorgan der "Arbeitsgemeinschaft saarländischer Heimatvereine und Heimatmuseen". Verantwortlicher Redakteur war der Heimat- und Familienforscher Prof. L. Blatter aus Ottweiler. Gedruckt wurde die Schrift in Saarlouis in der Gutenbergstraße bei dem Verlag "Hausen Verlagsgesellschaft m. b. H."

 

Ende des Jahres 1925 richtete Dr. Mailänder eine Denkschrift über den damaligen Landtagsabgeordneten Franz v. Papen (1880-1969) an das Preußische Kultusministerium in

Berlin, worin er vor allem die Notwendigkeit wissenschaftlicher, heimatkundlicher Forschungsarbeit für das Saargebiet und die Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse darlegte. Er schlug außerdem eine umfassende und einheitliche heimatkundliche Schulungsarbeit für das gesamte Saargebiet vor. Franz v. Papen, der spätere Reichskanzler und Vizekanzler im ersten Kabinett Hitler, der durch seine Heirat mit der in Wallerfangen sesshaften Marthe v. Boch- Gaihau mit dem Saargebiet verbunden war und auf dem Wallerfanger Friedhof seine letzte Ruhestätte gefunden hat, griff die Idee auf und trat dafür ein. Die Folge war die Gründung der "Saarforschungsgemeinschaft", die der "Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft" angegliedert war. Vorsitzender wurde der Universitätsprofessor Dr. Aubin, sein Stellvertreter Stadtschulrat Bongard. Das aber nur nebenbei, um die geschichtlichen Hintergründe zu beleuchten. Die Arbeit des Heimatvereins Saarlouis ging indes weiter.

 

Der Verein hat in der kurzen Zeit seines Bestehens eine  fruchtbare Tätigkeit entfaltet. Schon die in den ersten Monaten veranstalteten Heimatabende führten die Bevölkerung des Kreises durch Vorträge mit Lichtbildern in die Geschichte ihrer Region ein. Für die Heimatabende in den verschiedenen Orten des Kreises wurden auch namhafte auswärtige Redner gewonnen. So sprach zum Beispiel Professor Löschke vom Provinzialmuseum Trier am 8. Juni 1926 über die historischen Funde im Heimatgebiet, besonders über den sogenannten Depotfund aus der Bronzezeit im Jahre 1850 im englischen Park des Schlosses de Galhau (heute v. Papen) in Wallerfangen. Im November desselben Jahres kam Prof. Löschke wiederholt an die Saar. Bei verschiedenen Vorträgen in Dillingen, Fraulautern, Wallerfangen und anderen Orten befaßte er sich mit den Ausgrabungen im Trierer Altbachtal. In demselben Jahr hielt Dr. Noll, Assistent am Institut für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande an der Universität Bonn, einen Vortrag über Sitten und Gebräuche. Domkapitular Prof. Dr. lrsch hielt Vorträge über die sakralen Bauten einer früheren Zeit und die bis in die Römerzeit zurückreichenden Bauten des alten Trier.

 

Im Frühjahr 1927 befaßte sich der geistliche Rektor Dr. Hatzfeld in einem glänzenden Vortrag mit dem deutschen Gemüt. Über diesen Vortrag wurde in der Presse wenige Tage später berichtet: "Wundersame Empfindungen wurden bei dem herrlichen Vortrag in der Tiefe unseres Herzens wach, denn wie beseligende Klänge waren die innig-warmen Worte des Redners. "

 

Wahre Stürme der Begeisterung erweckte Dr. h.c. Louis Pinck (1872-1940), seit 1908 katholischer Pfarrer in Hambach bei Saargemünd, mit seinen lothringischen Volksliedern aus seiner Volksliedersammlung "Verklingende Weisen". Dieser Vortrag hinterließ einen nachhaltigen Eindruck und ist lange unvergessen geblieben.

 

Viele Lehrer des Kreises hatten sich inzwischen mit der Orts- und Flurnamendeutung befaßt. Die gezeichneten Karten waren in Atlanten zusammengefaßt worden und waren ein wertvolles Hilfsmittel für die Geschichtsforschung. Leider wurde diese Sammlung in dem folgenden Zweiten Weltkrieg zerstört.

 

Allmählich war auch der Gedanke an einen Heimattag herangereift. Mit den Aufgaben der Gesamtleitung wurden die Vereins- und Vorstandsmitglieder Dr. Andreas Mailänder, Schulrat Limbach, Konrektor Loyo, Lehrer Alois Weis, Stadtoberinspektor Johann Orth und Lehrer Schmauch beauftragt. Nach monatelangen Vorbereitungen begann der Heimattag am Samstag, dem 1. Oktober 1927, mit der Eröffnung einer Ausstellung in der Kaserne VI in Saarlouis. Gleichzeitig wurde das Städtische Heimatmuseum durch den Bürgermeister eröffnet, das aufgrund eines Stadtratsbeschlusses vom 7. November 1924 eingerichtet worden war. Es folgten Turn- und Sportwettkämpfe auf dem Sportplatz "Choisy", Konzerte auf dem Großen und Kleinen Markt und am Abend ein Fackelzug mit Großem Zapfenstreich unter der Beteiligung von 160 Musikern. Als am Sonntag der Festzug sich auf den Straßen der Stadt aufgestellt hatte, befanden sich bereits hunderttausend Zuschauer in der Stadt und noch immer zogen Neuangekommene durch die Straßen. Der Festzug hatte eine Länge von 3 Kilometern und bestand aus 6 Abteilungen mit 84 Gruppen. Der Abend brachte Heimatbälle im "Saalbau" am Kleinen Markt und im "Münchner Kindl" in der Augustinerstraße. Am Montag gab es auf dem Festplatz ein großes Kinderfest. Mit einer Schlußfeier in der Festhalle schloß der Heimattag ab

.

 

Die damals gezeigte Einigkeit in der Bevölkerung hielt an, bis sie 1933 durch parteipolitische Kämpfe infolge der Machtergreifung der NSDAP im Reich zerschlagen wurde. Es bildeten sich an der Saar zwei Blöcke, die "Deutsche Front" (NSDAP, Zentrum, Deutsch-Saarländische Volkspartei, Deutschnationale Volkspartei) und als ihre Gegnerin die organisatorisch weniger festgefügte "Einheitsfront", vor allem die sozialdemokratische und kommunistische Partei umfassend, die die Beibehaltung des "Status-Quo" bis zur Ablösung des NS-Regimes im Reich anstrebte. In der Abstimmung vom 13. Januar 1935 wurden 90,76 % der gültigen Stimmen für eine Rückkehr des Saargebietes zu Deutschland abgegeben. Der Völkerbund verfügte die Rückgliederung des Saargebietes mit Wirkung vom 1. März 1935.

 

Auch in der Heimatbewegung an der Saar machten sich die unterschiedlichen politischen Ansichten der Heimatkundler bemerkbar und wirkten sich ungünstig auf die Vereinsarbeit aus. Am 24. Januar 1932 wurde noch in Saarbrücken die schon oben erwähnte "Arbeitsgemeinschaft saarländischer Heimatvereine und Heimatmuseen" gegründet 3). In der Gründungsversammlung umfasste die Arbeitsgemeinschaft den "Historischen Verein für die Saargegend e. V.", den "Heimatverein für den Kreis Saarlouis", den "Verein für Heimatkunde des Kreises Merzig", den "Verein für Naturschutz und Heimatpflege" in Ottweiler, die Heimatmuseen der Städte Saarlouis und Saarbrücken, das Heimatmuseum in Merzig und das Geologische Museum in der Oberrealschule in Saarbrücken. Später stieß noch die "Westdeutsche Gesellschaft für Familienkunde, Bezirksgruppe Saarbrücken" hinzu.

 

Das Ende für den Heimatverein Saarlouis kam im Jahre 1935, als er durch den Kreiskulturwart der "Deutschen Front" aufgelöst wurde. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges mit seinen Zerstörungen und den schlimmen Folgen für die Bevölkerung mit zwei Evakuierungen in den Jahren 1939 und 1944 und Zwangsaufenthalten in der Fremde machten eine Wiederaufnahme der Vereinsarbeit zunichte. Erst nach dem Krieg und der Überwindung der Hungerjahre gingen Anregungen von Heimatkundlern aus dem Kreisgebiet aus, wieder eine Arbeitsgemeinschaft für den Kreis Saarlouis zu gründen, wobei der "Historische Verein für die Saargegend e. V." dieses Vorhaben hilfreich unterstützte.

 

 

Die Gründung einer neuen Arbeitsgemeinschaft (1950-1957)

 

Das Saarland war seit Juli 1945 der französischen Besatzungszone zugeteilt, nachdem im März 1945 US-Truppen das Saarland besetzt hatten. Frankreich erstrebte eine feste Einbeziehung des Saarlandes in seinen Machtbereich und wählte dafür, nachdem eine Eingliederung in den französischen Staatsverband auf die Ablehnung seiner Alliierten stieß, schließlich die Form der Wirtschafts- und Währungsunion. Die Neuentfaltung des politischen und kulturellen Lebens in den ersten Nachkriegsjahren war eng an das französische Saarkonzept gebunden. Die Zulassung politischer Parteien war von ihrer Stellungnahme zum vorgesehenen wirtschaftlichen Anschluss abhängig. Im Oktober 1946 trat an die Stelle des Regierungspräsidiums Saar eine Verwaltungskommission. Eine Kommunalwahl fand am 15. September 1946 statt, die Landtagswahl 1947. Eine eigene Verfassung wurde am 8. November 1947 durch den Landtag des Saarlandes als gesetzgebende Volksvertretung angenommen, die am 17. Dezember 1948 in Kraft trat. Erster saarländischer Ministerpräsident wurde von 1947 bis 1955 Johannes Hoffinann (1 890-1967.) Mit Wirkung vom 1.Januar 1948 wurde die französische Militärregierung (Le gouvernement militaire en Sarre) in ein Hochkommissariat für das Saarland umgebildet. Hoher Kommissar wurde bis 1952 Gilbert Grandval (1 904-198 1), der schon seit 7. September 1945 Militärgouverneur an der Saar war. Ab 1952 übernahm er bis 1955 das Amt des französischen Botschafters im Saarland.

Landrat in Saarlouis war seit 10. Mai 1946 Dr. Phil. Alfons Diwo (1900-1969) aus Fremersdorf. Er löste den von der amerikanischen Besatzungsbehörde eingesetzten Chefarzt des Städtischen Krankenhauses, Dr. med. Hans Drehsen, ab. Der französische Militärverwalter für den Kreis Saarlouis war Colonel Dutrou, administrateur du gouvernement militaire de la Sarre, dann de18gue du Haut-Commissaire de la Republique Franraise en Sarre, wie seine offizielle Bezeichnung lautete. Ihm zur Seite gestellt war Capitaine Koenig, officier de l'education publique, der sich um die kulturellen Belange kümmerte und eine umfassende Bestandsaufnahme der Kulturdenkmäler im Landkreis Saarlouis veranlasste. Besonders interessierten ihn dabei die, die an die französische Zeit erinnerten 4). Später war dann von französischer Seite der Konsularbeamte Pierre Tersac für die Kreisverwaltung (administrateur, d818gu8 du Haut-Commissaire de la Republique Franzaissee en Sarre pour le distriet de Sarrelouis, agent consulaire) und Capitaine Hanin, délégué pour le cercle de Sarrelouis, zuständig.

Unter diesen politischen Verhältnissen lud am 29. November 1950 der "Historische Verein für die Saargegend e. V." in Saarbrücken zu einer ersten Arbeitstagung der neugegründeten" Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde des Kreises Saarlouis" im Saale Hermes in Saarlouis ein. Der ver- dienstvolle Wallerfanger Heimatforscher Theodor Liebertz (1 869-1959) schreibt darüber in seinen Erinnerungen: "Trotz des schlechten Wetters waren ziemlich Interessenten hinge- kommen. Der Saal war gemütlich warm und hell. Nach der Begrüßung durch Saarbrücken sprach Herr A. Delges über das Material in den Archiven des Kreises Saarlouis. Der Archivar von Völklingen sprach überwiegen von Archiven. Herr Dr. Sauer führte den Vorsitz. Es war ein guter Anfang, Vorsitzer unserer Arbeitsgemeinschaft ist Herr Delges. Herr Bürgermeister Bruß brachte mich mit dem Auto hin und zurück ".

Es waren genau 50 Heimatforscher(innen) erschienen, die E. 0. Wentzel, der Vorsitzende des Historischen Vereins, begrüßen konnte. Er zeichnete die Entwicklung seines Ver- eins nach dem Kriege auf und wies auf die Schwierigkeiten hin, die es mit Mut und Geschick zu überwinden galt. Er dankte dem Ministerpräsidenten des Saarlandes, der auch zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt worden war, und den Dienststellen des Hohen Kommissars für die gewährte Unterstützung der Vereinsarbeit.

Der Geschäftsführer und stellvertretende Vorsitzende Dr. Lauer aus Saarbrücken führte dann den in der Gründungsversammlung als Vorsitzenden der "Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde des Kreises Saarlouis" gewählten Lehrer Anton Delges in sein Amt ein. Wann genau diese Gründungsversammlung stattfand, ist in den Vereinsakten nicht überliefert. Diese Arbeitsgemeinschaft Saarlouis war kein selbständiger Verein, sondern eine Abteilung im Historischen Verein. Anton Delges hielt dann den von Liebertz schon oben genannten Vortrag über die Quellenlage in den Archiven des Kreises Saarlouis und zeigte die schweren Verluste auf, die der Krieg herbeigeführt hat, so beispiels- weise in Saarlouis, Wallerfangen (damals Vaudrovange) und Ittersdorf. Das Pfarrarchiv Ittersdorf, das zu den interessantesten des Landes zählte, sei im Kriege verschwunden. Abschließend rief Archivar Buchleitner aus Völklingen die Anwesenden auf, bei ihren Gemeindeverwaltungen die Einrichtung von Gemeindearchiven anzuregen.

Der erste Vorsitzende Anton Delges entstammte einer Lehrerfamilie. Er wurde am 3. Dezember 1895 in Stadtkyll in der Eifel als Sohn eines Hauptlehrers geboren, der um die Jahrhundertwende mit seiner Familie nach Saarlouis kam. Schon als junger Lehrer befaßte er sich intensiv mit der Geschichte des Landkreises Saarlouis, dessen wirtschaftliche Entwicklung er anhand der Ortsrechte darlegte. Neben seiner auf Quellen aufbauenden Forschungsarbeit verfasste er zahlreiche heimatkundliche und historische Erzählungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm Anton Delges das langwierige Werk der Sichtung, Erhaltung und Neuordnung des Stadtarchivs Saarlouis, das er in mehrjähriger Arbeit nach Sachgebieten ordnete. Von 1956 bis 1975 war er dessen ehrenamtlich tätiger Archivar. Auch das Archiv des Landkreises Saarlouis betreute er von 1962 bis zum 3 1. Juli 1976 ehrenamtlich und gab auch dessen Beständen, die durch Kriegseinwirkung und die beiden verheerenden Hochwasser der Jahre 1947 und 1948 stark geschädigt waren, eine neue Ordnung. Später hat er sich sehr um die Herausgabe der Heimatkundlichen Jahrbücher des Landkreises Saarlouis verdient gemacht. Anton Delges starb am 9. Dezember 1979 in Saarlouis im hohen Alter von 84 Jahren 1).

Zu diesem Kreis um Anton Delges gehörte auch der Heimatforscher Rektor a. D. Alois Weis, der am 29. Mai 1950 im Alter von 64 Jahren in Saarlouis verstorben war. Er war einer der Mitbegründer des ersten Vereins 1925 und im Jahre 1927 Mitorganisator des Heimattages in Saarlouis. Auch er entstammte wie Anton Delges einer Lehrerfamilie. Seine ganze Schularbeit vollzog sich im Kreis Saarlouis. Er wirkte allein 30 Jahre als Lehrer und Rektor in der Stadt Saarlouis und war aktiv und führend im Katholischen Lehrerverband, in der Saarländischen Lehrerkammer und im Stadtrat Saarlouis tätig. Zusammen mit Johann Orth kümmerte er sich um die schon am 7. Mai 1909 eröffnete Stadtbibliothek und das Stadtarchiv, das der Stadtbibliothek seit 1926 zugeordnet war, und um das Städtische Heimatmuseum, die er weiter ausbaute. Unzertrennbar war seit 1922 sein Name mit der Kreisbildstelle Saarlouis verbunden, deren Leiter er bis zu seinem Tode war. Ganz besonders liebte er den Saarlouiser Gau, auf dem er im Jahre 1908 als junger Lehrer in Gisingen sein arbeitsreiches Lehrerleben begann. Seine letzte Arbeit galt dem in seinem Geburtsort Pachten freigelegten gallorömischen Gräberfeld. Sein Ableben wurde von den Heimatkundlern sehr bedauert, da ihnen nun seine Erfahrung, sein Wissen und sein Organisationstalent fehlten.

Die zweite Zusammenkunft der Saarlouiser Arbeitsgemeinschaft fand Mitte Januar 1951 im "Münchner Kindl" statt, in der, der aus Schwalbach stammende Prof Junker einen Vortrag über "Die Geschichte und Bedeutung der Pyramiden" hielt. Theodor Liebertz sprach über die Entstehung des Ortsnamens Wallerfangen und über den Kupferabbau im Bergbaugebiet Wallerfangen-St. Barbara. Die "Saarbrücker Zeitung" vom 19. Januar 1951 berichtete ausführlich über diese Zusammenkunft und die Vorträge. Danach schweigen die Vereinsakten. Die nun folgenden innenpolitischen Auseinandersetzungen für die Rückgliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland, die zu Zerwürfnissen bis in die Familien geführt haben, scheinen für das "Einschlafen" der Arbeitsgemeinschaft mit eine Rolle gespielt zu haben. Erst am 21. März 1957 hören wir wieder von einer Arbeitsgemeinschaft, als der schon oben genannte Dr. Andreas Mailänder dem Saarlouiser Landrat einen Vorschlag zur Bildung einer "Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Heimatkunde für den Kreis Saarlouis" vorschlägt.

Zwischenzeitlich hatte es im Saarland wieder politische Veränderungen gegeben. Im Oktober 1954 unterzeichnete die Republik Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland mit Zustimmung der Regierung des Saarlandes das sogenannte" europäische Saarstatut". Dieses Statut sah vornehmlich die Aufrechterhaltung der französisch-saarländischen Wirtschafts- und Währungsunion, die Übertragung der Aufgaben, die bisher der französische Hohe Kommissar ausübte, auf einen von der Westeuropäischen Union ermannten Kommissar, und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Saarland und der Bundesrepublik vor. In einem Referendum sollte sich die Saarbevölkerung für oder gegen das Statut entscheiden, das sie am 23. Oktober 1955 mit 67,7 % der gültigen Stimmen ablehnte. Nach Neuwahlen für den Landtag errangen die das Statut ablehnenden Parteien (CDU, DPS, SPD) die Mehrheit und übernahmen unter der Leitung des Saarlouisers Rechtsanwaltes Dr. jur. Hubert Ney die Regierungsverantwortung. Die bald eingeleiteten deutsch-französischen Saarverhandlungen endeten am 27. Oktober 1956 mit der Unterzeichnung des Luxemburger Vertrages zur Regelung der Saarfrage. Infolgedessen wurde das Saarland zum 1. Januar 1957 als eigenständiges Bundesland mit der Bundesrepublik Deutschland vereinigt. Die französisch-saarländische Wirtschaftsunion endete am 6. Juli 1959 (sogen."Tag X"). In Saarlouis geht infolge der politischen Neuorientierung des Saarlandes Landrat Dr. Diwo zum 31. Januar 1956 in Pension, sein Nachfolger wird der oben schon genannte Jurist Erasmus Schmidt.

Die Gründung der Vereinigung für die Heimatkunde (1958-1998)

Dr. Mailänder zeigte damals in seinem Vorschlag dem Landrat die Aufgaben auf, die die Arbeitsgemeinschaft haben sollte: Alle Fragen der Heimatkunde wie Altertumskunde, Geographie, Geologie, Volkskunde, Geschichte, Soziologie, Wirtschaft und Verkehr und Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse in Heimatbüchem. Die Arbeitsgemeinschaft soll eine ungezwungene Vereinigung aller aktiven Heimatforscher unter dem Vorsitz des Landrats sein. Jeder Heimatforscher übernimmt eine Arbeit für das noch zu erstellende Heimatbuch. Die Zusammenkünfte erfolgen jeden Monat einmal, bei denen ein Vortrag von einem Mitglied über dessen spezielles Arbeitsgebiet gehalten werden soll, wodurch man auch einen Überblick über den Stand der Forschung erhalte. Der Landrat soll zu den Sitzungen einladen und, wenn möglich, die Fahrtkosten den Mitgliedern erstatten.

Dem an der Heimatkunde interessierten Kreis gehörten neben Dr. Mailänder noch folgende Personen an: Emst Adam, Lehrer aus Hüttersdorf, Klaus Alttneyer aus Lebach, Dr. phil. Altpeter, Studienrätin aus Völklingen am Staatlichen Gymnasium Saarlouis, Matthias André, Grubeninspektor aus Schwalbach, Nikolaus Augustin, Bürgermeister a. D. aus Siersburg, der von 1920 bis 1946 Amtsbürgermeister des Amtes Bisten war, Karl Ludwig Balzer aus Saarlouis, Direktor der Kreuzbergschule in Saarlouis-Fraulautern, Ludwig Balzert, Lehrer aus Friedrichweiler, Anneliese Bietzker, Studienrätin am Mädchenrealgymnasium in Saarlouis, Matthias Boos, Volksschuldircktor aus Hüttersdorf, Karl Bresgott, Lehrer aus Schwalbach, Josef Burg aus Schaffhausen, Direktor der Schule in Hostenbach, Peter Caspar, Gipser-und Stukkateurmeister, und Sohn Arthur Caspar, Lehrer, beide aus Saarlouis-Roden, Georg Colesie, Bäckermeister aus Körprich, Oberlehrer Anton Delges aus Saarlouis, der Erste Vorsitzende von 1950, Dora Dimel, Handelsstudienrätin und Mundartdichterin aus Saarlouis-Beaumarais, Stadt oberbaurat Peter Focht aus Saarlouis, Peter Frey, Angestellter i. R. aus Differten, Hans Fritz, Lehrer aus Lebach, Peter Gärtner, Oberstudiendirektor aus St. Wendel, Peter Gehl, Rektor und Mundartdichter aus Bisten, Leo Griebler, Lehrer und Archäologe aus Wadgassen, Günther Groß, Lehrer aus Hülzweiler, Peter Haffner, Oberstudienrat aus Merzig, Matwthias Hein, Landwirtschaftsrat aus Bisten, Nikolaus Heisel, Landwirt und Landproduktenhändler aus Niedaltdorf, Dr. Hans-Walter Herrmann vom Landesarchiv Saarbrücken, Dr. Anton Jacob aus Mondorf, der im selben Jahr die Geschichte der Siersburg veröffentlichte, Dr. Arnold Jager, Zahnarzt aus Saarlouis, Rechtsanwalt Christian Jochum aus Saarlouis bzw. Felsberg, Volksschuldirektor J. Jochum aus Lebach, Roman John, Lehrer aus Limbach, Jakob Jung, Landwirt, Schmiedemeister und Bürgermeister von Ihn, Rudolf Just, Lehrer und Vorstandsmitglied des Sängerkreises Saarlouis aus Fraulautern, Dr. Konrad Kalbhenn, Forstmeister aus Saarlouis, Volksschuldirektor Albert Kiefer aus Differten, Dr. Helmuth Kiefer, Augenarzt in Saarlouis, dessen genealogischer Nachlaß später nach seinem Tod in Überlingen am Bodensee in das Kreisarchiv Saarlouis kam, Johann Klein, Minister a. D., Kurt Klein aus Schmelz, Albert Korn, Amtmann a.D. aus Dillingen, Gerold Kratz, Studienrat aus Berus am Staatlichen Gymnasium Saarlouis, Albert Krerner, Direktor der Römerschule in Dillingen- Pachten und später Ehrenbürger der Stadt Dillingen, Dr. Albert Kronenberger, Bürgermeister a. D. aus Wallerfangen und ehemaliger Schüler und enger Mitarbeiter von Theodor Liebertz auf dem Gebiet der Heimatforschung Wallerfangens, Heinz Kurtz, Kreisobstbau-Oberinspektor aus Saarlouis, Lehrer Labouvie aus Neuforweiler, Peter Lamar aus Dillingen, Vinzenz Lay aus Eimersdorf, Dr. phil. Aloys Lehnert, Oberstudienrat a. D. aus Dillingen, Theodor Liebertz, Konrektor a. D. aus Wallerfangen, Lehrer Georg Lorson aus Schaffhausen, Schulrat Josef Lück, Herrnann Maisant, Lehrer aus Saarlouis, Fritz Maurer, Volksschuldirektor aus Saarwellingen, A. Montada aus Körprich, Dr. Heinz Montada, Oberstudienrat aus Saarlouis, Dr. Erwin Müller, Diplom-Geologe aus Wallerfangen, Martha Müller, Amtsvorsteherin in Bisten, Werner Müller aus Überherrn, Hans Nicola, ein begnadeter Zeichner und Graphiker aus Saarlouis-Beaumarais, Johann Orth, Stadtoberinspektor a. D. aus Saarlouis, der schon mit Dr. Mailänder 1924 dabei war, Ferdinand Rupp, Lehrer aus Ensdorf, Dr. phil Rech, Studienrat am Aufbaugymnasium Lebach, Rudolph R. Rehanek, Journalist und Buchautor aus Saarbrücken, Carl Roderich Maria Richter, evangelischer Pfarrer i. R. aus Saarlouis, Ernst Rosenkränzer, Verwaltungsamtsrat bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse, Fotograf und Filmer aus Saarlouis, Heinrich Scherer, Amtmann a. D. aus Dillingen, Albert Schmitt, Lehrer aus Limbach, Franz Schmitt, Regierungsangestellter beim Landratsamt Saarlouis, später Vorsitzender des "Vereins für Heimatkunde im Landkreis Mezig-Wadem", Josef Schmidt, Konrektor aus Bous, Johann Schmitt-Ecker, Präsident der Landwirtschaftkammer des Saarlandes aus Lisdorf, Lorenz Schmitt, Polizeiobermeister aus Hüttersdorf, Josef Schon aus Ensdorf, Hubert Schreiner, Bürgermeister von Saarlouis, Johann Spurk, Verwaltungs- Oberinspektor aus Diefflen, Erwin Tabillion, Lehrer an der Realschule Dillingen, Dr. Wilhelm F. J. Trenz, Studienrat aus Dillingen, Autor eines Buches über die Prämonstratenserabtei Wadgassen, Oskar Wachsmuth, Journalist aus Dillingen, Arnold Wagner, Forstassessor aus Völklingen, Landrat a. D. Peter Walter aus Saarbrücken, Willy Weber, Magazinverwalter aus Körprich, Richard Weyh und Dr. Matthias Winkel aus Dillingen.
Auf den Vorschlag von Dr. Mailänder schreibt Landrat Erasmus Schmidt am 31. März 1958 unter anderem: "Numehr ist Herr Schulrat Lück an mich herangetreten, weil auch mehrere Volksschullehrer eine solche Arbeitsgemeinschaft gründen wollen. Es ist deshalb höchste Zeit, daß wir dieses Werk gemeinsam beraten". Die Besprechung findet am 25. März 1958 statt, in der Landrat Schmidt die Teilnehmer(innen), die überwiegend aus dem Schuldienst kamen, um die Namen und Anschriften von Lehrerinnen und Lehrern ihrer Schulen, die an einer Mitarbeit in der Arbeitsgemeinschaft interessiert sind, bat. Auch Schulrat Lück und Dr. Mailänder stellen Einladungslisten zusammen. Am 6 Mai 1958 unterzeichnet der Erste Kreisbeigeordnete Arnold in Vertretung des Landrats die Einladung: "Es ist beabsichtigt, eine Arbeitsgemeinschaft für geschichtliche Heimatkunde zu bilden. Dieser Arbeitsgemeinschaft sollen alle an der Heimatforschung für den Kreis Saarlouis interessierte Damen und Herren angehören. Die Gründungsversammlung findet am 16. Mai 1958 um 15. 00 Uhr im großen Sitzungssaal des Landratsamtes Saarlouis statt. Ich beehre mich, Sie zu dieser Veranstaltung einzuladen und würde mich freuen, Sie begrüßen zu können. Tagesordnung liegt bei."

Die Tagesordnung sah vor:
1 . Begrüßung durch den Landrat. 2. Referat über die Aufgaben und Ziele der Arbeitsgemeinschaft und über den Bildungswert der Heimatkunde, Referent: Dr. Mailänder.
3 . Zusatzreferat vom Dir. d. V. Herrn Baltzer.
4. Aussprache.
5. Organisation der Arbeitsgemeinschaft:
a) Zusammensetzung,
b) Geschäftsführung,
c) Termine der Arbeitstagungen,
d) Arbeitsgruppen.
6. Wahl des stellvertretenden Vorsitzenden.
7 .Herausgabe eines ersten Heimatbuches, Festlegung der Mitarbeiter.
8. Festlegung der Referate für die nächsten Arbeitstagungen.

Landrat Erasmus Schmidt konnte in der Gründungsversammlung rund 70 Personen begrüßen, darunter besonders den Senior der Heimatforscher, Theodor Liebertz aus Wallerfangen. Es hatten sich die Direktoren und Fachlehrer der Volksschulen fast aller Gemeinden im Landkreis, Studien- räte und Studienrätinnen der Gymnasien von Saarlouis, Dillingen und Lebach, die Schulräte des Kreises, die Bürgermeister von Saarlouis und Dillingen und vielen anderen Gemeinden, die Stellvertreter der einzelnen Amtsbürgermeister und die oben schon genannten Heimatforscher eingefunden. Der Landrat führte in seiner Begrüßungsansprache unter anderem aus. " Mit der Bevölkerungsvermehrung und sozialen Umschichtung, die sich seit 1945 in den Landkreisen vollzogen haben, sind nach den vordringlichen Maßnahmen des wirtschaftlichen Wiederaufbaues Kulturaufgaben stärker denn je ins Blickfeld der Kreisverwaltugen gerückt. Den strukturellen Unterschieden der Landkreise entspricht die Mannigfaltigkeit der Bildungsbedürfnisse ihrer Bevölkerung: in den agrarwirtschaftlichen Landkresen gilt es, den ländlichen Lebensraum geistig zu erhalten. Die Spannungen zwischen den industriegesellschaftlichen und den angestammten ländlich-bäuerlichen Lebensformen, untre denen sich das kulturelle Leben in den großstadtnahen und gemischwirtschaftlichen Landkreisen entwickelt, drängen nach einem Ausgleich. In den industrialisierten Kreisen geht es darum, ebenso wie in den Großstädten der Vermassung der Menschen und den billigen Verlockungen einer geschäftigen Konsumindustrie entgegenzuwirken.

In der Kulturarbeit der Landkreise kommt es in erster Linie darauf an, kulturschöpferische Kräfte aufzuspüren und zu sammeln, freie kulturelle Bestrebungen anzuregen und zu fördern und die Kulturarbeit in den Gemeinden zu unterstützen. Die Verantwortung der Landkreise für die Entwicklung des kulturellen Lebens in ihrem Bereich setzt da ein, wo örtliche lnitiativen und Leistungskraft nicht ausreichen oder überörtliche Maßnahmen leistungsf'äherige Träger verlangen.

Ein besonderes Anliegen der Landkreise ist die Heimatpflege. In den letzten Jahren haben zahlreiche Landkreise in allen Ländern des Bundesgebietes die Schönheiten und geschichtlichen Besonderheiten des Kreisgebietes, aber auch das Wirken der Kreisverwaltung in Kreisheimatbüchern oder -kalendern, in Kreisfilmen oder Farbbildserien festgehalten. Örtlichen Heimat- und anderen Vereinen wird dieses Material für Veranstaltungen zur Verfügung gestellt

Kulturpflege ist nicht immer eine Frage der Finanzen, sondern vielfach nur des Anrufs schöferischer Kräfte. Die notwendigen Finanzmittel dürfen ihr aber auch nicht versagt bleiben Der Landkreis soll im Rahmen seiner finanziellen Leistungskraft Mittel für die Kulturpflege bereitstellen. Die Kulturarbeit unserer Landkreise kann nur erfolgreich sein, wenn überall in ihnen die Einsicht vorhanden ist, daß sie zutieftst notwendig ist, und wenn alle kulturtragenden Kräfte sich zu gemeinsamen Leistung zusammenfinden."

Der Landrat betonte noch einmal, daß er den Arbeitskreis besonders unterstützen werde. Bereits jetzt schon könne man für die Arbeit 480.000 Franken (damals 4.800 DM) zur Verfügung stellen, die bereits vor zwei Jahren vom Kreisrat für heimatkundliche Arbeiten genehmigt wurden.

Anschließend ging Dr. Mailänder in einem ausführlichen Referat auf die Bedeutung und das Aufgabengebiet der Arbeitsgemeinschaft ein. Anhand von Beispielen und Rezitationen wies er auf, wie notwendig eine heimatkundliche Tätigkeit im Kreisgebiet geworden ist. Er zeigte auch auf, wie umfangreich das Aufgabengebiet ist, das sich dieser Arbeitskreis gestellt hat und stellte allen das lohnende Ziel, die Menschen mit ihrer Heimat und ihrer Geschichte vertraut zu machen, vor Augen.

Karl Balzer, Volksschuldircktor der Kreuzbergschule Fraulautem, stellte seine Ausführungen unter das Motto "Heimat als pädagogische Aufgabe". Er wies vor allem darauf hin wie notwendig es sei, bereits schon in der Schule Kinder mit dem Heimatgedanken vertraut zu machen. Die Lehrer für Heimatkunde müssen sich in enger Zusammenarbeit mit den Heimatforschern selbst ausbilden, um somit ihrer pädagogischen Aufgabe gerecht zu werden. Er wies weiter daraufhin, daß man sich schon im Kreise der Lehrerschaft mit diesen Dingen befaßt habe und bemüht sei, ein heimatkundliches Jahrbuch zu schaffen, das den Lehrern Hilfsmittel zum Unterricht sei und den Schülern, die die Schule verlassen, mit auf den ferneren Weg gegeben werden soll.

Über das von Schuldirektor Balzer erwähnt Jahrbuch ergab sich anschließend eine fruchtbare Aussprache. Hier wurde herauskristallisiert, daß zwar ein Jahrbuch geschaffen werden soll, für die Schulen und den Unterricht jedoch besonders zugeschnittene Fachschriften. Man einigte sich aber dahingehend, daß zuerst die Arbeit in den einzelnen Arbeitsgruppen beginnen müsse und man dann anhand der konkre ten Ergebnisse über die Frage nochmal sprechen soll.

Die Versammlung bildete nun vier Fachgruppen, die einzeln gewisse Arbeitsgebiete behandeln sollen, um dann vierteljährlich bei gemeinsamen Zusammenkünften, ihre Ergebnisse auszuwerten. Die Arbeitsgemeinschaft soll nicht in eine starre Form gegossen werden, vielmehr soll es sich um eine Gemeinschaft selbständig arbeitender Persönlichkeiten handeln, die ihre Erfahrungen und ihr Wissen in den Tagun- gen austauschen.

Zum Leiter der "Historische Arbeitsgruppe" wurde Dr. Andreas Mailänder bestimmt. Er leitete daneben auch die "Arbeitsgruppe für geschichtliche Heimatkunde des Kreises Saarlouis", deren Ziel die Herausgabe eines Heimatbuches war. Die "Arbeitsgruppe für Siedlung, Namens- und Flurforschung" übernahm Oberstudienrat Dr. Aloys Lehnert, die "Arbeitsgruppe für Film-, Kunst- und Bauwesen" Studienrat Gerold Kratz und die "Arbeitsgruppe für Naturkunde" Volksschulkonrektor Josef Schmidt aus Bous. Dr. Lehnert bat kurze Zeit später um Freistellung von der Leitung seiner Arbeitsgruppe, da er zu sehr mit seinem Werk über die saarländische Mundart beschäftigt sei, mit dem er noch mehrere Jahre zu tun habe.

Zum Ersten Vorsitzenden wählte man Landrat Erasmus Schmidt, zum 1. Stellvertreter Schulrat Josef Lück 6) und zum 2. Stellvertretenden Vorsitzenden Oberstudiendirektor Dr. Matthias Winkel oder Dr. Aloys Lehnert. Dr. Winkel nahm später das Amt an. Die Geschäftsführung der Arbeitsgemeinschaft lag beim Landratsamt. Zum Geschäftsführer wurde Kreisobersekretär Klaus Mangeot bestimmt, später Leiter des Kreisjugendamtes und als Kreisoberamtsrat in Pension gegangen.

Die Kreisverwaltung schrieb kurz nach der Gründungsversammlung mit einem Fragebogen noch einmal alle Interessierten an und bat um Mitteilung, für welche der vier Arbeitsgruppen man sich entscheide. Die Ergebnisse wurden den Gruppenleitem mitgeteilt, die dann nach urid nach mit ihren Zusammenkünften begannen, wobei von der Geschäftsführung Klaus Mangeot das Protokoll führte.

Die Gruppe des rührigen Dr. Mailänder traf sich schon am 18. Juli 1958 im Hotel Guldner am Kleinen Markt. Ihr gehörten ungefähr 30 Mitglieder an, von denen durchschnittlich 15 regelmäßig teilnahmen. Man unterhielt sich zunächst über die Aufgaben und Ziele der Gruppe und ging daran, eine Stoffsammlung über die Kreisgeschichte anzulegen, deren Ergebnisse in den heimatkundlichen Jahrbüchern veröffentlicht werden sollten. Bei der ersten Zusammenkunft waren neben Dr. Mailänder noch Pfarrer Carl Roderich Richter, Anton Delges, Hermann Maisant, Josef Burg, Johann Orth, Dr. Anton Jacob, Dr. Albert Kronenberger, Willi Marxen und die Herren Frey, Maurer, Boos, Schmidt, Weber und Schmitt anwesend.

Die Arbeitsgruppe für Film, Kunst und Bauwesen traf sich ebenfalls im Hotel Guldner, wo es zu Anfang kein spezielles Thema zur Tagesordnung gab, sondern nur eine allgemeine Aussprache stattfand. Bei dem Treffen am 14. Oktober 1958 waren neben den Gruppenleiter Gerold Gratz die Studienrätin Dr. Altpeter, Rektor Karl Balzer und die Lehrer Fritz und Rupp anwesend. Oberbaurat Focht, Schulrat Lück und Lehrer Adam fehlten entschuldigt. Man unterhielt sich über den Stand der Aufnahme der Kunstdenkmäler im Landkreis Saarlouis und über ein Drehbuch für einen Film über die Kunstdenkmäler des Kreises. Lehrer Hans Fritz, ein Filmamateur, will dabei die technische Seite übernehmen. Die Kosten für den Film werden auf 100.000 Franken (damals 1 000 DM) geschätzt.

Zwischenzeitlich hatte Geschäftsführer Mangeot eine Nachweisung über die für die Zusammenkünfte vom 16. Mai, 18. Juli und 14. Oktober 1958 zu erstattenden Fahrtkosten für 26 Teilnehmer(innen) erstellt. Den Betrag von insgesamt 8.060 Franken zahlte die Kreisverwaltung den Teilnehmer(innen) aus.

Auf Anregung von Dr. Mailänder frug die Kreisverwaltung am 2. Dezember 1958 mit einem von Johann Orth entworfenen Fragebogen bei den Amtsvorstehern und Bürgermestern des Landkreises an und bat um Nennung von ihnen bekannten Fundstellen aus der vor- und frühgeschichtlichen Zeit für die archäologische Karte des Kreises Saarlouis. In dem Schreiben wurden auch die Namen und Anschriften der Heimatforscher(innen) bekanntgegeben, die als Ansprechpartner in den jeweiligen Orten für Rückfragen zur Verfügung standen. Für dieses Vorhaben kaufte der Kreis 88 topographische Grundkarten und 18 Meßtischblätter bei dem Landesvermessungsamt in Saarbrücken für insgesamt 34.902 Franken. Auch 109 Firmen schrieb die Verwaltung am 16. Februar 1959 an, da geplant sei, in dem ersten Jahrbuch einen eigenen Abschnitt der industriellen Entwicklung des Kreises zu widmen.

Eine weitere Vollversammlung hielt man am 11. Dezember 1958 nachmittags um 15.00 Uhr im Kleinen Saal des "Saalbaues", in der Hans Fritz den Film "Mit der Kamera durch das Niedtal" vorführte, wobei der Leiter der Kreisbildstelle Saarlouis, Rektor Peter Prümm, ein lichtstarkes Vorführgerät und eine Leinwand zur Verfügung stellte. Oberlehrer Anton Delges sprach anschließend über "Quellen zur Ortsgeschichte". Den Vorsitz führte Schulrat Lück für den verhinderten Landrat. Zum ersten Mal führte Kreisinspektor Alfred Schwind in Vertretung das Protokoll. Die Anwesenheitsliste nennt die Namen von 31 Anwesenden. Für die Überlassung des Tagungsraumes verlangte die Stadt Saarlouis 1.424 Franken für 2 Zentner Koks als Heizkosten und 985 Franken Lohnkosten für 2 Stunden Hausmeistertätigkeit. Das von Anton Delges gehaltene Referat wurde von der Kreisverwaltung vervielfältigt und allen Mitgliedern am 20. Januar 1959 mit der Niederschrift über die Versammlung zugesandt.

Anfang des Jahres 1959 reichte man dem Landrat über den Leiter der Finanz- und Vermögensverwaltung, dem oben schon genannten Kreisoberamtmann Hermann Gräff, eine Aufstellung für den Haushaltplan ein. Für den Erwerb von Urkunden, Büchern und Kartenmaterial von heimatgeschichtlicher Bedeutung, für das Fertigen von Fotografien von Kunstdenkmälern und die Herstellung eines Filmes sollen 600.000 Franken (6.000 DM) eingestellt werden, für die Förderung der Heimatforschung allgemein 200.000 Franken (2.000 DM), für den Auslagenersatz der Mitglieder 80.000 Franken (800 DM) und für die Herausgabe des ersten Heimatbuches 1.074.061 Franken. Im Haushalt stand für den Buchdruck noch ein Haushaltsrest von rund 531.000 Franken aus dem Vorjahr zur Verfügung, so daß sich der von den Heirnatkundlern gewünschte Ansatz um diese Summe verringerte.

 

Fortsetzung folgt in 3 Monaten.?

Saarlouis den 24.07.2002