Rückblick
![]() Kreis-Ständehaus 1897 |
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40 Jahre |
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Einleitung - Quellenlage für diesen Bericht Der nachfolgende
Bericht beruht im wesentlichen auf die im Kreisarchiv Saarlouis aufbewahrten
Vereinsakten, die aus dem Aktenbestand des Amtes für Schulen, Kultur und
Sport (Aktenzeichen. K X 331/06) ab dem Jahre 1958 erwachsen sind,
angereichert mit Akten der Vereinigung für die Jahre von 1986 bis 1998 und
Zeitungsausschnitten aus der im Kreisarchiv Saarlouis aufbewahrten
Zeitungsausschnitts-Sammlung, die von dem ehemaligen Leiter des Amtes für
Finanzen und Liegenschaften des Landkreises Saarlouis, Kreisoberamtmann
Hermann Gräff (1899-1985) nach seiner Pensionierung ab dem Jahre 1964
angelegt worden ist. Hermann Gräff war ein an der Heimat- und
Familienforschung des Landkreises sehr interessierter Mann, der mit dem Autor
oft in Gedankenaustausch stand. Er hat die im Kreisarchiv in hohen Stapeln
lagernden alten Zeitungen, darunter Ausgaben der "Saarbrücker
Zeitung", der "Saar- Zeitung" und der "Saarländischen
Volkszeitung" zuerst durchgelesen, dann die betreffenden Artikel ausgeschnitten
und anschließend auf die Rückseite nicht mehr gebrauchter amtliche Vordrucke
aufgeklebt. Die Zeitungen stammten vom Landrat, der sie nach der Lektüre an
das Kreisarchiv abgab. So entstand im Laufe der Zeit eine Sammlung von rund
40 Aktenordnen, die nach Orten und nach Personen alphabetisch geordnet ist.
Viele Jahre später wurde von der Verwaltung im Wege einer
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für diesen Bestand ein Stichwortverzeichnis in
Form einer Kartei angelegt. Der Aktenbestand der Vereinigung ist in
unseren Tagen weiter angereichert worden mit dem privaten Aktenbestand von
Gernot Karge für den Zeitraum von 1966 bis 1997, die aus seiner Tätigkeit als
Mitglied, als Arbeitsgruppenleiter, als Mitglied der Satzungskommission, als
Schatzmeister, als Mitglied des Redaktionsausschusses und als Geschäftsführer
stammen. Dieser chronologisch neugeordnete Gesamtbestand von 8 Ordnern
Vereinsakten wurde wieder in das Kreisarchiv Saarlouis eingestellt 1). Der Aktenbestand von
1924 bis 1976 ist nicht vollständig belegt. Es kann daher sein, daß Personen,
die Mitglieder der beiden Arbeitsgemeinschaften vor und nach dem Zweiten
Weltkrieg waren, und sich um die Vereinsarbeit verdient gemacht haben,
nachfolgend nicht genannt werden, da entsprechende Hinweise fehlen. Der Autor
dieser Zeilen kann erst seit 1966, als er in der Arbeitsgemeinschaft zuerst
gelegentlich, seit 1967 aber ständig mitarbeitete, aus eigenem Erleben und
aufgrund seiner schriftlichen Unterlagen und Tagebücher berichten. Vorgeschichte (1924-1950) Es war am 16. Mai
1958, als im Sitzungssaal des Landratsamtes Saarlouis auf Vorschlag von Dr.
Andreas Mailänder aus Saarlouis von Landrat Erasmus Schmidt (1956-1960) die
"Arbeitsgemeinschaft für die Heimatkunde des Kreises Saarlouis"
gegründet wurde. Landrat Schmidt, der erste Landrat nach der Rückgliederung
des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland und der erste Vorsitzende
der Arbeitsgemeinschaft, war ein Förderer der kulturellen Belange. Er hat
sich besondere Verdienste sowohl um die Gründung der Arbeitsgemeinschaft als
auch um die Herausgabe des ersten "Heimatkundlichen Jahrbuches des
Landkreises Saarlouis 1960" erworben. Er gründete unter anderem das
Kreisvolksbildungswerk (heute Kreisvolkshochschule) und mit einer namhaften
Spende der Kreissparkasse Saarlouis das "Berufsförderungswerk des
Landkreises Saarlouis "zugunsten förderungswürdiger aber
minderbemittelter Studenten und Studentinnen aus dem Kreisgebiet. <br> Seine
Aufgeschlossenheit gegenüber der Arbeit der
Heimatforscher (innen) und sein Einsatz beim organisatorischen Aufbau
der Arbeitsgemeinschaft haben es ermöglicht, daß nach seinem plötzlichen Tod
der Verein sich stetig weiterentwickeln konnte. Landrat Erasmus Schmidt starb
am 12. April 1960 im Alter von 46 Jahren an einem Herzinfarkt. Auch seine
Nachfolger im Amt des Landrats und des Ersten Vorsitzenden, August Riotte
(1960-1985) und Dr. Peter Winter (seit 1985), haben den Verein nachhaltig
mitgeprägt. Schon lange vor diesem 16. Mai 1958 gab es im
Landkreis Saarlouis wie auch im übrigen Saarland Bestrebungen von Heimatkundlern,
Heimatvereine zu gründen. Aus den vorbildlich geführten Vereinsunterlagen der
drei Geschäftsführer der Vereinigung, Klaus Mangeot, Alfred Schwind und
Gernot Karge, erfahren wir, daß am 5. November 1924 der Postinspektor Peter
Meyer mehrere Herren in das Katholische Vereinshaus einlud, um über die
mögliche Gründung eines Heimatvereins die Meinungen auszutauschen. Alle
stimmten dem Vorschlag bei und es wurde beschlossen, in einer größeren
Versammlung die Angelegenheit eingehend zu beraten. Diese Zusammenkunft fand
am Buß- und Bettag im Lesezimmer der Stadtbibliothek Saarlouis statt, in der
Dr. Andreas Mailänder (1888-1981) mit der vorläufigen Leitung des Vereins
beauftragt wurde. Das heutige Saarland hieß damals
"Saargebiet". Es wurde am 10. Januar 1920 nach den
Friedensverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich und dem
Inkrafttreten des Versailler Vertrages durch Abtrennung von der preußischen
Rheinprovinz bzw. der bayerischen Rheinpfalz abgetrennt und ihm ein
besonderer Status gegeben. Für die Dauer von 15 Jahren wurde es einer vom
Völkerbund eingesetzten und ihm allein verantwortlichen Regierungskommission,
die aus einem Franzosen, einem Saarländer und drei Neutralen bestand,
unterstellt. Die am 26. Februar 1920 eingesetzte Regierungskommission löste
die französische Militärverwaltung ab, die französischen Besatzungstruppen
blieben aber im Lande. Das neue Gebilde erhielt die offizielle Bezeichnung
"Saargebiet". Nach Ablauf der 15 Jahre sollte sich die Bevölkerung
in einer Volksabstimmung für die Rückkehr zum Deutschen Reich, die
Angliederung an Frankreich oder die Beibehaltung der Völkerbundsverwaltung
(sogen. "status-quo") entscheiden. Eine echte Volksvertretung
bestand in der Zeit der Völkerbundsverwaltung nicht. Der 1922 aus direkten,
geheimen Wahlen hervorgegangene "Landesrat des Saargebietes" hatte
keine legislativen, sondern nur beratende Befugnisse. Stufenweise wurde der
französische Franc eingeführt, ab 1. Juni 1923 war er alleiniges
Zahlungsmittel. Das waren die politischen Verhältnisse als sich
zur Hauptversammlung im vollbesetzten Saal des Gasthauses
"Bürgerverein" in der Augustinerstraße/Ecke Petrusstraße am 6.
Januar 1925 bereits mehrere Hundert Personen einfanden. Der Kreis Merzig war
durch Bürgermeister Scheuren und Schulrat Kell vertreten, die erklärten, für
den Kreis Merzig einen besonderen Verein ins Leben rufen zu wollen. Die schon
vorher ausgearbeitete Satzung des "Vereins für Heimatkunde für den Kreis
Saarlouis" wurde den Anwesenden vorgetragen und einstimmig angenommen.
Der § 1 gab dem Verein folgende Richtlinien für seine Tätigkeit: "Der
Verein sucht die Vergangenheit des Saarlandes, vor allem des Kreises
Saarlouis und der angrenzenden Gebiete, zu durchforschen und sie der
Allgemeinheit durch Rede und Druck bekanntzugeben. Er sammelt dahingehörige
Schriften, Tagebücher, Karten, Bildwerke, Münzen und kulturhistorische
Gegenstände aller Art. " Nach dem Muster des Saarlouiser Vereins wurden
dann der Heimatverein des Kreises Merzig gegründet, ferner der
Naturschutzverein der Stadt Ottweiler. Auch in Neunkirchen und St. Wendel war
man bestrebt, Heimatvereine ins Leben zu rufen. Neben diesen Vereinen gab es
noch den schon seit langem bestehenden "Historischen Verein für die
Saargegend e. V." unter der Leitung des verdienten Prof. Ruppersberg. Zum Ersten
Vorsitzenden des "Vereins für Heimatkunde für den Kreis Saarlouis"
wurde der aus Gresaubach bei Lebach stammende 38jährige Studienrat Dr.
Andreas Mailänder 1) gewählt, der die Vorstandsgeschäfte schon kommissarisch
geführt hatte. Zum Vereinsschriftführer wählte man Wilhelm Rosenkranz.
Mailänder war ein Verfechter des deutschen Volkstums an der Saar und ein
Gegner der französischen Kulturpolitik im Saargebiet. Er stellte Ende 1923
anläßlich der Saarausstellung in Verbindung mit der Frankfurter-Messe in
einem Buch, das in den Schriften des Frankfurter Messeamtes unter dem Titel
"Saarlouis" erschien, den deutschen Charakter der Stadt heraus, und
war mit an der Herausgabe der Zeitschrift "Unsere Saar - Heimatblätter
für die Saarlandschaft" beteiligt. "Unsere Saar" war seit 1932
(7. Jahrgang) amtliches Verbandsorgan der "Arbeitsgemeinschaft
saarländischer Heimatvereine und Heimatmuseen". Verantwortlicher
Redakteur war der Heimat- und Familienforscher Prof. L. Blatter aus
Ottweiler. Gedruckt wurde die Schrift in Saarlouis in der Gutenbergstraße bei
dem Verlag "Hausen Verlagsgesellschaft m. b. H." Ende des Jahres 1925
richtete Dr. Mailänder eine Denkschrift über den damaligen
Landtagsabgeordneten Franz v. Papen (1880-1969) an das Preußische
Kultusministerium in Berlin, worin er vor
allem die Notwendigkeit wissenschaftlicher, heimatkundlicher Forschungsarbeit
für das Saargebiet und die Veröffentlichung der Arbeitsergebnisse darlegte.
Er schlug außerdem eine umfassende und einheitliche heimatkundliche
Schulungsarbeit für das gesamte Saargebiet vor. Franz v. Papen, der spätere
Reichskanzler und Vizekanzler im ersten Kabinett Hitler, der durch seine
Heirat mit der in Wallerfangen sesshaften Marthe v. Boch- Gaihau mit dem
Saargebiet verbunden war und auf dem Wallerfanger Friedhof seine letzte
Ruhestätte gefunden hat, griff die Idee auf und trat dafür ein. Die Folge war
die Gründung der "Saarforschungsgemeinschaft", die der
"Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft" angegliedert war.
Vorsitzender wurde der Universitätsprofessor Dr. Aubin, sein Stellvertreter
Stadtschulrat Bongard. Das aber nur nebenbei, um die geschichtlichen
Hintergründe zu beleuchten. Die Arbeit des Heimatvereins Saarlouis ging indes
weiter. Der Verein hat in der
kurzen Zeit seines Bestehens eine
fruchtbare Tätigkeit entfaltet. Schon die in den ersten Monaten
veranstalteten Heimatabende führten die Bevölkerung des Kreises durch
Vorträge mit Lichtbildern in die Geschichte ihrer Region ein. Für die
Heimatabende in den verschiedenen Orten des Kreises wurden auch namhafte
auswärtige Redner gewonnen. So sprach zum Beispiel Professor Löschke vom
Provinzialmuseum Trier am 8. Juni 1926 über die historischen Funde im
Heimatgebiet, besonders über den sogenannten Depotfund aus der Bronzezeit im
Jahre 1850 im englischen Park des Schlosses de Galhau (heute v. Papen) in
Wallerfangen. Im November desselben Jahres kam Prof. Löschke wiederholt an
die Saar. Bei verschiedenen Vorträgen in Dillingen, Fraulautern, Wallerfangen
und anderen Orten befaßte er sich mit den Ausgrabungen im Trierer Altbachtal.
In demselben Jahr hielt Dr. Noll, Assistent am Institut für geschichtliche
Landeskunde der Rheinlande an der Universität Bonn, einen Vortrag über Sitten
und Gebräuche. Domkapitular Prof. Dr. lrsch hielt Vorträge über die sakralen
Bauten einer früheren Zeit und die bis in die Römerzeit zurückreichenden
Bauten des alten Trier. Im Frühjahr 1927
befaßte sich der geistliche Rektor Dr. Hatzfeld in einem glänzenden Vortrag
mit dem deutschen Gemüt. Über diesen Vortrag wurde in der Presse wenige Tage
später berichtet: "Wundersame Empfindungen wurden bei dem herrlichen
Vortrag in der Tiefe unseres Herzens wach, denn wie beseligende Klänge waren
die innig-warmen Worte des Redners. " Wahre Stürme der
Begeisterung erweckte Dr. h.c. Louis Pinck (1872-1940), seit 1908
katholischer Pfarrer in Hambach bei Saargemünd, mit seinen lothringischen
Volksliedern aus seiner Volksliedersammlung "Verklingende Weisen".
Dieser Vortrag hinterließ einen nachhaltigen Eindruck und ist lange
unvergessen geblieben. Viele Lehrer des
Kreises hatten sich inzwischen mit der Orts- und Flurnamendeutung befaßt. Die
gezeichneten Karten waren in Atlanten zusammengefaßt worden und waren ein
wertvolles Hilfsmittel für die Geschichtsforschung. Leider wurde diese
Sammlung in dem folgenden Zweiten Weltkrieg zerstört. Allmählich war auch
der Gedanke an einen Heimattag herangereift. Mit den Aufgaben der
Gesamtleitung wurden die Vereins- und Vorstandsmitglieder Dr. Andreas
Mailänder, Schulrat Limbach, Konrektor Loyo, Lehrer Alois Weis,
Stadtoberinspektor Johann Orth und Lehrer Schmauch beauftragt. Nach
monatelangen Vorbereitungen begann der Heimattag am Samstag, dem 1. Oktober
1927, mit der Eröffnung einer Ausstellung in der Kaserne VI in Saarlouis. Gleichzeitig
wurde das Städtische Heimatmuseum durch den Bürgermeister eröffnet, das
aufgrund eines Stadtratsbeschlusses vom 7. November 1924 eingerichtet worden
war. Es folgten Turn- und Sportwettkämpfe auf dem Sportplatz
"Choisy", Konzerte auf dem Großen und Kleinen Markt und am Abend
ein Fackelzug mit Großem Zapfenstreich unter der Beteiligung von 160
Musikern. Als am Sonntag der Festzug sich auf den Straßen der Stadt
aufgestellt hatte, befanden sich bereits hunderttausend Zuschauer in der
Stadt und noch immer zogen Neuangekommene durch die Straßen. Der Festzug
hatte eine Länge von 3 Kilometern und bestand aus 6 Abteilungen mit 84
Gruppen. Der Abend brachte Heimatbälle im "Saalbau" am Kleinen
Markt und im "Münchner Kindl" in der Augustinerstraße. Am Montag
gab es auf dem Festplatz ein großes Kinderfest. Mit einer Schlußfeier in der
Festhalle schloß der Heimattag ab . Die damals gezeigte
Einigkeit in der Bevölkerung hielt an, bis sie 1933 durch parteipolitische
Kämpfe infolge der Machtergreifung der NSDAP im Reich zerschlagen wurde. Es
bildeten sich an der Saar zwei Blöcke, die "Deutsche Front" (NSDAP,
Zentrum, Deutsch-Saarländische Volkspartei, Deutschnationale Volkspartei) und
als ihre Gegnerin die organisatorisch weniger festgefügte "Einheitsfront",
vor allem die sozialdemokratische und kommunistische Partei umfassend, die
die Beibehaltung des "Status-Quo" bis zur Ablösung des NS-Regimes
im Reich anstrebte. In der Abstimmung vom 13. Januar 1935 wurden 90,76 % der
gültigen Stimmen für eine Rückkehr des Saargebietes zu Deutschland abgegeben.
Der Völkerbund verfügte die Rückgliederung des Saargebietes mit Wirkung vom
1. März 1935. Auch in der
Heimatbewegung an der Saar machten sich die unterschiedlichen politischen
Ansichten der Heimatkundler bemerkbar und wirkten sich ungünstig auf die
Vereinsarbeit aus. Am 24. Januar 1932 wurde noch in Saarbrücken die schon
oben erwähnte "Arbeitsgemeinschaft saarländischer Heimatvereine und
Heimatmuseen" gegründet 3). In der Gründungsversammlung umfasste die Arbeitsgemeinschaft
den "Historischen Verein für die Saargegend e. V.", den
"Heimatverein für den Kreis Saarlouis", den "Verein für
Heimatkunde des Kreises Merzig", den "Verein für Naturschutz und
Heimatpflege" in Ottweiler, die Heimatmuseen der Städte Saarlouis und
Saarbrücken, das Heimatmuseum in Merzig und das Geologische Museum in der
Oberrealschule in Saarbrücken. Später stieß noch die "Westdeutsche
Gesellschaft für Familienkunde, Bezirksgruppe Saarbrücken" hinzu. Das Ende für den
Heimatverein Saarlouis kam im Jahre 1935, als er durch den Kreiskulturwart
der "Deutschen Front" aufgelöst wurde. Der Beginn des Zweiten
Weltkrieges mit seinen Zerstörungen und den schlimmen Folgen für die
Bevölkerung mit zwei Evakuierungen in den Jahren 1939 und 1944 und
Zwangsaufenthalten in der Fremde machten eine Wiederaufnahme der
Vereinsarbeit zunichte. Erst nach dem Krieg und der Überwindung der
Hungerjahre gingen Anregungen von Heimatkundlern aus dem Kreisgebiet aus,
wieder eine Arbeitsgemeinschaft für den Kreis Saarlouis zu gründen, wobei der
"Historische Verein für die Saargegend e. V." dieses Vorhaben
hilfreich unterstützte. Die Gründung einer neuen
Arbeitsgemeinschaft (1950-1957) Das Saarland war seit Juli
1945 der französischen Besatzungszone zugeteilt, nachdem im März 1945
US-Truppen das Saarland besetzt hatten. Frankreich erstrebte eine feste
Einbeziehung des Saarlandes in seinen Machtbereich und wählte dafür, nachdem
eine Eingliederung in den französischen Staatsverband auf die Ablehnung
seiner Alliierten stieß, schließlich die Form der Wirtschafts- und
Währungsunion. Die Neuentfaltung des politischen und kulturellen Lebens in
den ersten Nachkriegsjahren war eng an das französische Saarkonzept gebunden.
Die Zulassung politischer Parteien war von ihrer Stellungnahme zum
vorgesehenen wirtschaftlichen Anschluss abhängig. Im Oktober 1946 trat an die
Stelle des Regierungspräsidiums Saar eine Verwaltungskommission. Eine
Kommunalwahl fand am 15. September 1946 statt, die Landtagswahl 1947. Eine
eigene Verfassung wurde am 8. November 1947 durch den Landtag des Saarlandes
als gesetzgebende Volksvertretung angenommen, die am 17. Dezember 1948 in
Kraft trat. Erster saarländischer Ministerpräsident wurde von 1947 bis 1955
Johannes Hoffinann (1 890-1967.) Mit Wirkung vom 1.Januar 1948 wurde die
französische Militärregierung (Le gouvernement militaire en Sarre) in ein
Hochkommissariat für das Saarland umgebildet. Hoher Kommissar wurde bis 1952
Gilbert Grandval (1 904-198 1), der schon seit 7. September 1945
Militärgouverneur an der Saar war. Ab 1952 übernahm er bis 1955 das Amt des
französischen Botschafters im Saarland. Landrat in Saarlouis war
seit 10. Mai 1946 Dr. Phil. Alfons Diwo (1900-1969) aus Fremersdorf. Er löste
den von der amerikanischen Besatzungsbehörde eingesetzten Chefarzt des
Städtischen Krankenhauses, Dr. med. Hans Drehsen, ab. Der französische
Militärverwalter für den Kreis Saarlouis war Colonel Dutrou, administrateur
du gouvernement militaire de la Sarre, dann de18gue du Haut-Commissaire de la
Republique Franraise en Sarre, wie seine offizielle Bezeichnung lautete. Ihm
zur Seite gestellt war Capitaine Koenig, officier de l'education publique,
der sich um die kulturellen Belange kümmerte und eine umfassende
Bestandsaufnahme der Kulturdenkmäler im Landkreis Saarlouis veranlasste.
Besonders interessierten ihn dabei die, die an die französische Zeit
erinnerten 4). Später war dann von französischer Seite der Konsularbeamte
Pierre Tersac für die Kreisverwaltung (administrateur, d818gu8 du
Haut-Commissaire de la Republique Franzaissee en Sarre pour le distriet de
Sarrelouis, agent consulaire) und Capitaine Hanin, délégué pour le cercle de
Sarrelouis, zuständig. Unter diesen politischen
Verhältnissen lud am 29. November 1950 der "Historische Verein für die
Saargegend e. V." in Saarbrücken zu einer ersten Arbeitstagung der
neugegründeten" Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde des Kreises
Saarlouis" im Saale Hermes in Saarlouis ein. Der ver- dienstvolle
Wallerfanger Heimatforscher Theodor Liebertz (1 869-1959) schreibt darüber in
seinen Erinnerungen: "Trotz des
schlechten Wetters waren ziemlich Interessenten hinge- kommen. Der Saal war
gemütlich warm und hell. Nach der Begrüßung durch Saarbrücken sprach Herr A.
Delges über das Material in den Archiven des Kreises Saarlouis. Der Archivar
von Völklingen sprach überwiegen von Archiven. Herr Dr. Sauer führte den
Vorsitz. Es war ein guter Anfang, Vorsitzer unserer Arbeitsgemeinschaft ist
Herr Delges. Herr Bürgermeister Bruß brachte mich mit dem Auto hin und zurück
". Es waren genau 50
Heimatforscher(innen) erschienen, die E. 0. Wentzel, der Vorsitzende des
Historischen Vereins, begrüßen konnte. Er zeichnete die Entwicklung seines Ver-
eins nach dem Kriege auf und wies auf die Schwierigkeiten hin, die es mit Mut
und Geschick zu überwinden galt. Er dankte dem Ministerpräsidenten des
Saarlandes, der auch zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt worden war,
und den Dienststellen des Hohen Kommissars für die gewährte Unterstützung der
Vereinsarbeit. Der Geschäftsführer und
stellvertretende Vorsitzende Dr. Lauer aus Saarbrücken führte dann den in der
Gründungsversammlung als Vorsitzenden der "Arbeitsgemeinschaft für
Heimatkunde des Kreises Saarlouis" gewählten Lehrer Anton Delges in sein
Amt ein. Wann genau diese Gründungsversammlung stattfand, ist in den
Vereinsakten nicht überliefert. Diese Arbeitsgemeinschaft Saarlouis war kein
selbständiger Verein, sondern eine Abteilung im Historischen Verein. Anton
Delges hielt dann den von Liebertz schon oben genannten Vortrag über die
Quellenlage in den Archiven des Kreises Saarlouis und zeigte die schweren
Verluste auf, die der Krieg herbeigeführt hat, so beispiels- weise in
Saarlouis, Wallerfangen (damals Vaudrovange) und Ittersdorf. Das Pfarrarchiv
Ittersdorf, das zu den interessantesten des Landes zählte, sei im Kriege
verschwunden. Abschließend rief Archivar Buchleitner aus Völklingen die
Anwesenden auf, bei ihren Gemeindeverwaltungen die Einrichtung von
Gemeindearchiven anzuregen. Der erste Vorsitzende Anton
Delges entstammte einer Lehrerfamilie. Er wurde am 3. Dezember 1895 in
Stadtkyll in der Eifel als Sohn eines Hauptlehrers geboren, der um die
Jahrhundertwende mit seiner Familie nach Saarlouis kam. Schon als junger
Lehrer befaßte er sich intensiv mit der Geschichte des Landkreises Saarlouis,
dessen wirtschaftliche Entwicklung er anhand der Ortsrechte darlegte. Neben
seiner auf Quellen aufbauenden Forschungsarbeit verfasste er zahlreiche heimatkundliche
und historische Erzählungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg unternahm Anton
Delges das langwierige Werk der Sichtung, Erhaltung und Neuordnung des
Stadtarchivs Saarlouis, das er in mehrjähriger Arbeit nach Sachgebieten
ordnete. Von 1956 bis 1975 war er dessen ehrenamtlich tätiger Archivar. Auch
das Archiv des Landkreises Saarlouis betreute er von 1962 bis zum 3 1. Juli
1976 ehrenamtlich und gab auch dessen Beständen, die durch Kriegseinwirkung
und die beiden verheerenden Hochwasser der Jahre 1947 und 1948 stark
geschädigt waren, eine neue Ordnung. Später hat er sich sehr um die
Herausgabe der Heimatkundlichen Jahrbücher des Landkreises Saarlouis verdient
gemacht. Anton Delges starb am 9. Dezember 1979 in Saarlouis im hohen Alter
von 84 Jahren 1). Zu diesem Kreis um Anton
Delges gehörte auch der Heimatforscher Rektor a. D. Alois Weis, der am 29.
Mai 1950 im Alter von 64 Jahren in Saarlouis verstorben war. Er war einer der
Mitbegründer des ersten Vereins 1925 und im Jahre 1927 Mitorganisator des
Heimattages in Saarlouis. Auch er entstammte wie Anton Delges einer
Lehrerfamilie. Seine ganze Schularbeit vollzog sich im Kreis Saarlouis. Er
wirkte allein 30 Jahre als Lehrer und Rektor in der Stadt Saarlouis und war
aktiv und führend im Katholischen Lehrerverband, in der Saarländischen
Lehrerkammer und im Stadtrat Saarlouis tätig. Zusammen mit Johann Orth
kümmerte er sich um die schon am 7. Mai 1909 eröffnete Stadtbibliothek und
das Stadtarchiv, das der Stadtbibliothek seit 1926 zugeordnet war, und um das
Städtische Heimatmuseum, die er weiter ausbaute. Unzertrennbar war seit 1922
sein Name mit der Kreisbildstelle Saarlouis verbunden, deren Leiter er bis zu
seinem Tode war. Ganz besonders liebte er den Saarlouiser Gau, auf dem er im
Jahre 1908 als junger Lehrer in Gisingen sein arbeitsreiches Lehrerleben
begann. Seine letzte Arbeit galt dem in seinem Geburtsort Pachten
freigelegten gallorömischen Gräberfeld. Sein Ableben wurde von den
Heimatkundlern sehr bedauert, da ihnen nun seine Erfahrung, sein Wissen und sein
Organisationstalent fehlten. Die zweite Zusammenkunft
der Saarlouiser Arbeitsgemeinschaft fand Mitte Januar 1951 im "Münchner
Kindl" statt, in der, der aus Schwalbach stammende Prof Junker einen
Vortrag über "Die Geschichte und Bedeutung der Pyramiden" hielt.
Theodor Liebertz sprach über die Entstehung des Ortsnamens Wallerfangen und
über den Kupferabbau im Bergbaugebiet Wallerfangen-St. Barbara. Die
"Saarbrücker Zeitung" vom 19. Januar 1951 berichtete ausführlich
über diese Zusammenkunft und die Vorträge. Danach schweigen die Vereinsakten.
Die nun folgenden innenpolitischen Auseinandersetzungen für die
Rückgliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik Deutschland, die zu
Zerwürfnissen bis in die Familien geführt haben, scheinen für das
"Einschlafen" der Arbeitsgemeinschaft mit eine Rolle gespielt zu
haben. Erst am 21. März 1957 hören wir wieder von einer Arbeitsgemeinschaft,
als der schon oben genannte Dr. Andreas Mailänder dem Saarlouiser Landrat
einen Vorschlag zur Bildung einer "Arbeitsgemeinschaft für
geschichtliche Heimatkunde für den Kreis Saarlouis" vorschlägt. Zwischenzeitlich hatte es
im Saarland wieder politische Veränderungen gegeben. Im Oktober 1954
unterzeichnete die Republik Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland mit
Zustimmung der Regierung des Saarlandes das sogenannte" europäische
Saarstatut". Dieses Statut sah vornehmlich die Aufrechterhaltung der
französisch-saarländischen Wirtschafts- und Währungsunion, die Übertragung
der Aufgaben, die bisher der französische Hohe Kommissar ausübte, auf einen
von der Westeuropäischen Union ermannten Kommissar, und eine Verbesserung der
wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem Saarland und der Bundesrepublik
vor. In einem Referendum sollte sich die Saarbevölkerung für oder gegen das
Statut entscheiden, das sie am 23. Oktober 1955 mit 67,7 % der gültigen
Stimmen ablehnte. Nach Neuwahlen für den Landtag errangen die das Statut
ablehnenden Parteien (CDU, DPS, SPD) die Mehrheit und übernahmen unter der
Leitung des Saarlouisers Rechtsanwaltes Dr. jur. Hubert Ney die
Regierungsverantwortung. Die bald eingeleiteten deutsch-französischen
Saarverhandlungen endeten am 27. Oktober 1956 mit der Unterzeichnung des
Luxemburger Vertrages zur Regelung der Saarfrage. Infolgedessen wurde das
Saarland zum 1. Januar 1957 als eigenständiges Bundesland mit der
Bundesrepublik Deutschland vereinigt. Die französisch-saarländische
Wirtschaftsunion endete am 6. Juli 1959 (sogen."Tag X"). In
Saarlouis geht infolge der politischen Neuorientierung des Saarlandes Landrat
Dr. Diwo zum 31. Januar 1956 in Pension, sein Nachfolger wird der oben schon
genannte Jurist Erasmus Schmidt. Fortsetzung folgt in 3
Monaten.? Saarlouis den
24.07.2002 |