SZ Dienstag, 25 November 2008
Auf den Spuren der Vorfahren wandern
In Saarlouis gingen Ahnenforscher auf Entdeckungsreise
Für Menschen wie Rosemarie Fischer gibt es nichts Schöneres, als Ahnenforschung zu betreiben. Am Sonntag war sie beim Genealogentag im Landratsamt Saarlouis unter Hunderten von Gleichgesinnten.
Von SZ-Mitarbeiterin
Heike Theobald
Deutsch-französische Partnerschaft bei der Ahnenforschung: Lion Osmund aus Rehlingen sucht französische Vorfahren, Julien Salmon aus Creutzwald hat da womöglich die richtigen Informationen für ihn.
Saarlouis. Es ist manchmal die Stecknadel im Heuhaufen, die es zu finden gilt. Aber wer diesem Hobby mit Leidenschaft nachgeht, der hat die dazu nötige Geduld und investiert gerne auch die Zeit. So wie Rosemarie Fischer aus Bisten, sie forscht seit 40 Jahren ihren Ahnen hinterher. "Es gibt nichts Schöneres", schwört sie. Die Bistenerin war am Sonntag beim Genealogentag im Landratsamt Saarlouis und konnte ihrem Forschungstrieb mit einem Schnäppchen auf die Sprünge helfen.
Landkarten aus dem 17. und 18. Jahrhundert fand sie am Stand von Jean Tillieux. Er vertrat beim Genealogentag
den "Service de Centralisation des Etudes Genealogique de Belgique". Das Kartenmaterial allerdings konnte er durch seinen Beruf ergattern. Er ist
Lehrer für Geschichte an einer belgischen Universität.
"Manchmal finde ich bei meinen Recherchen den Ort nicht, weil er früher anders hieß", erklärte Fischer den Kauf ihrer Karten. Die Bistenerin liebt ihr Hobby, wenn sie einer Spur nachgeht, dann lässt Fischer nicht los, bis sie fündig geworden ist. Dabei startet sie gedanklich gar eine Zeitreise in die Vergangenheit, stellt sich vor, wie der Vorfahre gelebt hat. "Es ist einfach faszinierend", sagte sie. Die Ahnenforscherin wünscht sich, dass viel mehr Menschen auf den Spu
ren ihrer Vorfahren wandern würden.
Rosemarie Fischer aus Bisten interessiert sich für alte Landkarten, die Jean Tillieux aus Belgien anbietet. Seit über 40 Jahren betreibt sie Ahnenforschung für sich und manchmal für gute Freunde.
Wobei der Andrang am Sonntag im großen Sitzungssaal schon den Eindruck vermittelte, dass der Kreis der Ahnenforscher riesig ist. Und jeder Einzelne hatte seine Geschichte zu erzählen. So standen Osmund Lion aus Rehlingen und Julien Salmon zusammen, um sich gegenseitig bei der Suche zu unterstützen und zu erzählen, wen sie gesucht und gefunden oder auch nicht gefunden haben. Spannend ist es immer zu hören, wenn, wie in Salmons Fall, der Stammbaum französisch-deutsch gemischt ist. "Meine Mutter wechselte zu ihren Lebzeiten fünf Mal die Nationalität", erzählte Salmon. Mal war sie Französin, mal Deutsche und wieder umgekehrt.
Um die Suche in die benachbarten Regionen zu erleichtern, präsentierten sich einige Gruppen aus Frankreich. Da wartete der "Cercle Généalogique du Pays de Briey" mit Millionen digitaler Daten auf. "Hier finden sie Geburts-, Hochzeits- und Sterbedaten von sieben Millionen Menschen", erklärte Silvie Blanchard.
Aber auch die Franzosen nutzten die Gelegenheit, bei ihren deutschen Kollegen zu stöbern. Und wer bei den Ausstellern auf dem Genealogentag nichts gefunden hatte, konnte im Kreisarchiv weiter stöbern. Denn dort war Tag der offenen Tür und die Mitglieder der Vereinigung für die Heimatkunde im Landkreis Saarlouis hatten als Veranstalter alle Hände voll zu tun. Sie standen den Besuchern mit Rat und Tat zur Seite. Neben den Publikationen präsentierte der Verein chronologisch aufgebaute Ordner voll mit Totenbildchen. "Darauf sind wertvolle Informationen enthalten", erklärte Hans-Peter Klauck, zweiter Vorsitzender des Vereins. Rund 14 000 Bildchen kamen bisher zusammen, für die Aufbereitung ist Jakob Klein zuständig.
^ Das Kreisarchiv in Saarlouis ist von Montag bis Freitag, jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet, außer mittwochs.
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lm Internet: www.vhs-saarlouis.de
Saarbrückerzeitung Montag 24. November 2008, Regiaon Land Seite B4
Mekka für Ahnenforscher
in Saarlouis
Das Landratsamt Saarlouis ist gestern ein Ort für Ahnenforschung gewesen. Die Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis Saarlouis lud zum Genealogentag und zum Tag der offenen Tür im Kreisarchiv ein.
Saarlouis. Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln, nach direkten oder weit entfernten Familienangehörigen sind gestern im Saarlouiser Landratsamt so einige Besucher fündig geworden. Dort organisierte die Vereinigung für Heimatkunde im Landkreis einen großen Genealogentag mit Beteiligung von 18 genealogischen Vereinen aus Deutschland, Frankreich und Belgien.
Meist in Vereinen zusammengeschlossen hatten die 18 Genealogenteams im großen Sitzungssaal ihre Publikationen präsentiert. Sie kamen aus Belgien, Frankreich, Luxemburg, aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz. Mit ihren Informationen, ob in Buchform oder digitaler Version, schufen sie ein Mekka für Menschen, die auf Ahnensuche gingen oder nur mehr über ihre Vorfahren erfahren wollten. "Alleine bei uns finden sie über sieben Millionen Daten von Menschen
aus Lothringen, über die Geburt, Hochzeit bis zum Tod", sagte Sil-vie Blanchard. Sie gehört dem "Cercle Genealogique de Pays de Briey" an, einem Partnerschaftsverein des Gastgebers. Die Vereinigung für Heimatpflege arbeitet mit einigen grenznahen Vereinen zusammen, wie Vizevorsitzender Hans-Peter Klauck erklärte.
Der Genealogentag eignete sich besonders gut für Anfänger in der Ahnenforschung. Andreas Heintz (34) aus Saarbrücken arbeitet seit
einem Jahr an seinem Stammbaum. Bisweilen konnte er bis zu seinen Ur-Ur-Ahnen vorstoßen, in Saarlouis suchte er weitere Information.
"Und ich habe auch einiges gefunden", sagte er. Zwei Schwestern seines Urgroßvaters väterlicherseits habe er in französischen Datenbanken aufgestöbert.
Vom Sitzungssaal aus ging Heintz nebenan ins Kreisarchiv. "Vielleicht finde ich dort auch noch den einen oder anderen Verwandten", meinte er. Das
Kreisarchiv, "Zentrum für Familienforschung" genannt, zähle zu den größten Archiven in Südwestdeutschland, hth
I Im Internet:
l www.vfh-saarlouis.de
Saarbrücker Zeitung Mittwoch 2. August 2006
VON SZ-MITARBEITER GERHARD ALT
Lücken in der Genealogie geschlossen
Kreis Saarlouis. Die Daten über die früheren Bewohner des Kreises Saarlouis werden immer sicherer und besser benutzbar.
Jetzt hat Gernot Karge im Auftrag der Vereinigung für die Heimatkunde im Landkreis Saarlouis zwei neue Bände in der Reihe "Quellen zur Genealogie im Landkreis Saarlouis und angrenzenden Gebieten" herausgegeben. Band 34 ist das Einwohnerbuch über Bedersdorf mit Gisingen und Kerlingen von Bernd Winter; Band 35 das Einwohnerbuch über Roden von Anton Edel.
Beide Autoren haben jeweils zwei Jahre an ihren Werken gearbeitet. Herausgeber Karge betont die Unterstützung der Sponsoren: Gemeinde Wallerfangen, Stadt und Landkreis Saarlouis, Kulturstiftung der Kreissparkasse Saarlouis, Saarland Sporttoto.
Der Saarlouiser "Chef-Genealoge" Hans-Peter Klauck hebt hervor, dass wieder Lücken für die Familienforschung geschlossen wurden. In diesen Büchern kann nicht nur der kundige Benutzer Traditionslinien erkennen. gal

Anton Edel hat das Einwohnerbuch über Roden verfasst.
Fotos: Gerhard Alt
Als die Kelten in Roden lebten
Vom Krieg, Hexenverbrennung, Franzosen und Preußen: das neue Einwohnerbuch von Anton Edel
"Die Einwohner von Roden vor 1905" heißt ein neues Buch von Anton Edel. 30000 Einzelpersonen und 4568 Familien verzeichnet der Nalbacher in seiner Chronik.
Roden. Das neue Einwohnerbuch über Roden ist eine komplette Neubearbeitung und Erweiterung des lange vergriffenen Buchs von Josef Fontaine, welches allerdings nur die Zeit bis 1815 berücksichtigte. Anton Edel, 69, Rentner aus Nalbach, hat sich der immensen Arbeit gestellt. Sein Buch "Die Einwohner von Roden vor 1905" ist in drei Teilbänden erschienen und umfasst 2200 Seiten (Preis: 72 Euro).
Edel verzeichnet 30000 Einzelpersonen und 4568 Familien. Der Umfang macht die Bedeutung Rodens augenfällig. Laut Darstellung von Josef Fontaine, die im neuen Band erneut als Einleitung erscheint, ist Roden eine der ältesten Siedlungen im Kreis Saarlouis. Sein Name ist keltischen Ursprungs. Über vier Jahrhunderte war Roden eine große römische Siedlung. Ein Dokument von 995 beschreibt Roden als Herrengut mit 15 Bauernstellen. Der Abt von Mettlach wird damals für 600 Jahre Grund- und Hochgerichtsherr.
"... als Hexe verbrannt"
Eine Liste des Klosters Mettlach von 1519 verzeichnet 32 Namen für Roden, darunter: Thiedrich Weber, Hans Gißler, Martin Smyt, Jacob von Büren, Johann Schumacher, Hans Nuwemann, Claus Schnider. Dazu findet man Bemerkungen wie: "Die oben genannte Witwe Els Kifer wurde 1581 als Hexe verbrannt." Um 1600 lebten vermutlich 315 Menschen in Roden. Nach den Ordensleuten von Mettlach wechselten die Besitzer öfter, Criechinger und Dillinger Erbvögte stritten sich um Roden.
Der Dreißigjährige Krieg brachte Mord, Raub, Brand. 1635 wüteten Kroaten im Ort, 1641 ein wilder Haufen aus Saarbrücken und St. Wendel. Das Kriegstreiben ging auch nach dem Westfälischen Frieden von 1648 weiter. Von über 300 Rodenern überlebten etwa 100 (um 1669). 1680 entstand Saarlouis und brachte Arbeit, ebenso wie die Dillinger Hütte. Die Bevölkerung wuchs im 18. Jahrhundert um mehr als das Zehnfache. 1718 wurde Roden französisch bis zur Niederlage Napoleons 1815. Da nahm Preußen Saarlouis und seine Bannmeile mit Roden in Besitz. Edel listet nun auch die Familienangaben des 19. Jahrhunderts auf, in dem die Bevölkerung stark anwuchs, fast bis 1907, als Roden zur Stadt Saarlouis kam.
Der Autor Edel hat mit all dem eigentlich wenig zu tun. Der gelernte Schneidermeister arbeitete lange Jahre als kaufmännischer Angestellter. Als 1972 sein Vater starb, stieß er im Nachlass auf eine so genannte Arier-Ahnentafel aus der Nazizeit. Seine Familie stammt aus dem Schwäbischen, der Vater wurde in Munderkingen an der Donau geboren, kam als Tuchschneider nach Nalbach, dem Heimatort Anton Edels. Vor zwölf Jahren fand Edel Gefallen an der Familienforschung, fand zum Kreisarchiv Saarlouis, wurde sofort Mitglied der Vereinigung, legte bereits 2004 ein Einwohnerbuch über die Bewohner des Nalbacher Tales vor.
Zwei Jahre Fleißarbeit
Für das Rodener Einwohnerbuch hat Edel auf 54 Aktenordner mit Aufzeichnungen zurückgreifen können. Das bedeutete zwei Jahre Fleißarbeit, Auswertung von Kirchenbüchern, Personenstandsakten des Standesamts Fraulautern, des Bistumsarchivs Trier. Edel hat dazu Bilder aus den Beständen des Kreisarchivs und eigene Fotos ins Buch aufgenommen. Resümierend sagt er: "Man ist froh darüber, so ein Werk vollendet zu haben."
Und einige Erkenntnisse aus seiner Arbeit bleiben ihm in Erinnerung, wie: Die Cholera wütete von Juli bis September 1866 und raffte 116 Rodener dahin - oder: 1878 starben 39 Kinder an Scharlach.
Germanenführer Bedo war der Namensgeber
Aus zahlreichen Quellen trug Bernd Winter Daten und Ereignisse der ehemaligen Pfarrei Bedersdorf zusammen
Bernd Winter, 61, Beamter in Diensten der Stadt Saarlouis, geborener Beruser, hat jetzt ein neues Einwohnerbuch über die ehemalige Pfarrei Bedersdorf vorgelegt.
Kreis Saarlouis. Der Dreißigjährige Krieg brachte der Bevölkerung auf dem Gau unermessliches Leid. Totaler Krieg. Kroaten und Schweden kämpften hier. Ganze Dörfer wurden vernichtet. 80 Prozent der Pfarrei Bedersdorf kamen ums Leben. Die Familien namens Bachem, Bedersdorfer, Claden, Dillinger überlebten. Bernd Winter, 61, Beamter in Diensten der Stadt Saarlouis, geborener Beruser, hat jetzt ein neues Einwohnerbuch vorgelegt: "Die Einwohner der ehemaligen Pfarrei Bedersdorf von 1906 mit Bedersdorf, Gisingen und Kerlingen" (Preis: 26 Euro). Auf über 600 Seiten sind insgesamt 1757 Familien gelistet. Die ältesten Angaben stammen von 1580, aus den Tabellen reisender Notare - der Familienname Tabellion verdankt sich dieser Tätigkeit. Die jüngsten Angaben reichen bis 1906, aus Gründen des Datenschutzes nicht weiter.
Suche in Kirchenbüchern
Winter konnte auf Abschriften aus den Archiven in Saarbrücken und Metz zurückgreifen, die August Deynet in den 1970er Jahren zusammen getragen hatte. Weitere Quellen sind für die Zeit ab 1743 die Kirchenbücher der Pfarrei Sankt Margaretha Bedersdorf, die auch die Mutterpfarrei von Gisingen und Kerlingen war, sowie ab 1815 die Einträge des Standesamtes Wallerfangen.
Der Genealoge Winter ist vertraut mit alten Aufzeichnungen wie mit neuen Medien. Vor zwei Jahren hat er das Einwohnerbuch von Leidingen herausgebracht. Auf einige alte Bedersdorfer Namen angesprochen, nennt er: Ehl, was auf Ölmühlen hindeutet, Cavelius, ein Name, der mit dem im Dreißigjährigen Krieg vernichteten Sermlinger Hof verbunden ist, außerdem Mathis, Museler, Moseler. Die letztgenannten deuten auf die Herkunft hin.
Bernd Winter hat über die Pfarrei Bedersdorf geschrieben.
Namen erinnern an Berufe
Öfter sind es Hinweise auf die Berufe. In 95 Prozent der Fälle konnte Winter den Beruf des jeweiligen Namensträgers angeben, viele Ackerer, Bauern sind darunter. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dominieren die Bergleute, die in lothringische Gruben einfuhren.
Laut dem Abriss der Ortsgeschichte von Bedersdorf, der dem Einwohnerbuch vorangestellt ist, geht der Ortsname auf das germanische Bedo oder Betho zurück, einen Anführer aus der Zeit der fränkischen Landnahme. Um 950 gehörte Bedersdorf zum Herzogtum Lothringen. In den folgenden Jahrhunderten ändern sich Name und Besitzverhältnisse öfter. 1030 fiel der Ort durch Schenkung der Abtei Sankt Matthias bei Trier zu, dessen Abt vergab ihn 1270 als Lehen dem Ritter von Siersberg, ab spätestens 1572 gehörte Bedersdorf zur Herrschaft Berus.
Der Westfälische Frieden 1648 beendete den Dreißigjährigen Krieg auf dem Gau noch nicht. Erst mit dem Frieden von Nijmegen 1679, mit dem Frankreich ganz Lothringen erhielt (bis 1871), kehrte nach 46 Jahren Frieden ein.
Weitere politische Wechsel folgten. Für 1751 vermerkt Winter: "Großes Kindersterben in der Pfarrei: Zwischen dem 7. Februar und dem 21. Mai sterben 23 Kinder im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahre. Die normale Sterberate liegt damals bei fünf bis acht Personen im Jahr." gal